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Iran bricht Waffenruhe, Israel schlaegt zurueck - neue fragile Feuerpause
Nach Trumps Machtwort halten Iran und Israel das Feuer, nachdem beide Seiten erstmals seit April wieder direkt aufeinander geschossen haben.
Die seit April geltende Waffenruhe zwischen Iran und Israel brach am Sonntagabend innerhalb weniger Stunden zusammen. Ausloser war ein israelischer Angriff auf die libanesische Hauptstadt Beirut, bei dem ranghohe Hisbollah-Kommandeure getoetet wurden. Teheran antwortete mit ballistischen Raketen auf Nordisrael, dem ersten direkten Angriff Irans auf israelisches Territorium seit dem 8. April. Die israelische Armee schlug mit Bombardierungen auf iranischer Erde zurueck, was die erste direkte Attacke auf Iran seit der April-Waffenruhe darstellte.
Die Eskalation traf auf laufende Atomgespraeche zwischen Washington und Teheran. US-Praesident Donald Trump forderte beide Seiten ueber Truth Social auf, das Feuer sofort einzustellen, und warnte Netanyahu: Er solle vorsichtig sein, oder er werde bald auf sich allein gestellt sein. Trump behauptete gleichzeitig, Fortschritte bei den Nuklearverhandlungen erzielt zu haben. Er erklaerte, die Raketen seien bereits unterwegs gewesen, als er mit dem israelischen Premier gesprochen habe, und Netanyahu habe ihn daher nicht herausgefordert.
Nach einem Telefonat mit Trump bestaetigte Netanyahu eine Feuerpause, drohte aber mit aller Haerte, falls Iran erneut angreife. Die iranischen Streitkraefte erklaerten ihrerseits den Stopp der Operationen nach einer schmerzhaften Antwort auf Israel, drohten aber mit vernichtenderen Massnahmen bei weiterer israelischer Aggression. Parallel dazu griff das US-Militaer im Golf von Oman einen Oeltanker an, der einen iranischen Hafen ansteuerte und gegen die US-Blockade verstiess. Huthi-Milizen in Jemen beanspruchten zudem Raketenangriffe auf Israel fuer sich, der erste direkte Angriff der Huthi seit April.
Analysten sehen in dem kurzen Schlagabtausch ein Zeichen struktureller Instabilitaet: Die April-Waffenruhe hatte keine der zugrundeliegenden Konfliktursachen geloest. Die wirtschaftlichen Folgen zeigen sich bereits: Der Auftragseingang der deutschen Industrie sank im April um 3,8 Prozent gegenueber Maerz und um 6,2 Prozent gegenueber dem Vorjahr, ein Rueckgang, den Oekonomen unter anderem auf gestiegene Energiepreise infolge des Konflikts zurueckfuehren.
Das eigentliche Dilemma ist nicht Krieg oder Frieden, sondern wer die Waffenruhe unter welchen Bedingungen traegt. Trump hat bewiesen, dass US-Druck kurzfristig deeskaliert, doch seine Glaubwuerdigkeit als Vermittler haengt davon ab, dass er weder Israel noch Iran unbegrenzt nachgibt. Zwei Seiten, die gleichzeitig Gespraeche fuehren und Raketen abfeuern, lassen keinen einfachen Ausweg: Jedes Zugestaendnis wird sofort als Schwaech interpretiert.
Iran und Israel fuehren seit Jahrzehnten einen Schattenkrieg. Die direkte militaerische Konfrontation, die im April 2024 begann und sich seitdem zu einem offenen Krieg ausgeweitet hat, ist historisch beispiellos und stellt die fragile regionale Architektur auf eine Probe, bei der Trumps Vermittlerrolle entscheidend dafuer ist, ob Atomgespraeche ueberhaupt fortgefuehrt werden koennen.
Trump erklaerte oeffentlich, Netanyahu habe ihn nicht herausgefordert, da die Raketen bereits unterwegs gewesen seien. Dieselbe Logik verwendete Israel 2007 bei seinem Angriff auf einen syrischen Atomreaktor: vollendete Tatsachen schaffen, bevor ein Veto moeglich ist. Ob Netanyahu Trump absichtlich vor die Wahl stellte oder ihn tatsaechlich vor dem Abschuss informierte, duerfte die eigentliche Machtfrage dieser Feuerpause sein.