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Foto: BBC News

Welt·9. Juni 2026

USA verweigern somalischem WM-Schiedsrichter Artan trotz Visum die Einreise

Omar Artan, Afrikas Schiedsrichter des Jahres 2025, wurde trotz gültigem Visum am Flughafen Miami abgewiesen und verpasst damit die WM.

Frühere Artikel
  • USA verweigern somalischem WM-Schiedsrichter die Einreise kurz vor Turnierbeginn

Omar Abdulkadir Artan wäre der erste somalische Schiedsrichter in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft geworden. Stattdessen sitzt der 34-Jährige in Istanbul, nachdem ihn die US-Grenzbehörde CBP am Samstag am Flughafen Miami trotz gültigem Visum zurückgewiesen hat. Die FIFA bestätigte am Dienstag offiziell, dass Artan die WM 2026 nicht pfeifen wird.

Somalia zählt zu den Ländern, deren Bürger von den unter US-Präsident Donald Trump verschärften Einreisebeschränkungen betroffen sind – ein diplomatischer Pass, den das somalische Außenministerium Artan eigens ausgestellt hatte, um Einreisehürden zu umgehen, änderte daran nichts. Die CBP erklärte lediglich, dass der Reisende „aufgrund von Bedenken im Rahmen der Sicherheitsüberprüfung nicht einreiseberechtigt" gewesen sei. Artan wurde nicht namentlich genannt, ist aber der einzige somalische WM-Schiedsrichter.

Artan war 2025 von der CAF zum Unparteiischen des Jahres gekürt worden und seit 2018 FIFA-Schiedsrichter. Alle 52 WM-Schiedsrichter und 88 Assistenten müssen das gemeinsame Trainingszentrum der FIFA in Miami als Pflichtstandort nutzen – ein Ausweichen auf Spiele nur in Kanada oder Mexiko war damit ausgeschlossen. „Es ist für mich eine große Ehre, als erster Somali dabei zu sein", hatte Artan noch am Montag in einem Al-Jazeera-Interview gesagt. „Ich hoffe, ich werde dort fantastisch sein."

Der Fall reiht sich in eine Serie von Einreiseproblemen rund um die WM 2026 ein: Iranische Fans erhielten keine Tickets, Spieler und Funktionäre aus mehreren betroffenen Ländern berichten seit Monaten von Visa-Problemen. Die FIFA verwies auf die Souveränität des Gastgeberlandes bei Einreiseentscheidungen und distanzierte sich von einer eigenen Zuständigkeit.

Perspektiven

Der Fall Artan zeigt den strukturellen Konflikt zwischen nationaler Einreisesouveränität und den Anforderungen eines global integrierten Sportformats. Die WM ist das meistgesehene Sportereignis der Welt – sie funktioniert nur, wenn alle nominierten Personen auch einreisen können. Gleichzeitig können die USA als souveräner Staat keine Blankoverpflichtung für beliebige Drittstaatsangehörige eingehen. Wie man diesen Widerspruch auflöst, ohne einen der beiden Grundsätze aufzugeben, ist die eigentliche Designfrage für künftige WM-Vergaben.

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Redaktionelle Einordnung

Die WM 2026 findet zum ersten Mal in drei Ländern statt – USA, Kanada und Mexiko. Da das FIFA-Schiedsrichterausbildungszentrum ausschließlich in Miami liegt, müssen alle Spieloffizielle zwingend in die USA einreisen. Das macht Trumps Einreisebeschränkungen zu einem strukturellen Problem für das gesamte Turnier: Schiedsrichter und Fans aus den betroffenen Ländern sind nicht selektiv benachteiligt, sondern systematisch ausgeschlossen.

Um die Ecke gedacht

Die FIFA kassiert mehrere Milliarden Dollar an Einnahmen aus der WM 2026 – unter anderem durch Sponsorenverträge, die explizit auf die globale Reichweite und Inklusivität des Turniers abzielen. Mindestens vier Hauptsponsoren haben Diversity-Commitments in ihren Verträgen verankert. Der Fall Artan, der kurz nach WM-Beginn publik wird, dürfte die Diskussion darüber befeuern, was es bedeutet, ein „globales" Turnier in einem Land mit selektiven Einreisesperren zu veranstalten.