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Welt·9. Juni 2026

Ukraine greift Tschonhar-Brücke zweite Nacht in Folge mit Drohnen an

Die Ukraine hat die Tschonhar-Brücke zur Krim zwei Nächte in Folge beschossen und damit die einzige sichere Treibstoffroute auf die Halbinsel unterbrochen.

Frühere Artikel
  • Moskau räumt Kraftstoffengpässe durch ukrainische Drohnenangriffe ein

Die ukrainische Armee hat die Tschonhar-Brücke zur besetzten Krim in der zweiten Nacht in Folge mit Drohnen angegriffen und damit eine der letzten sicheren Landverbindungen zur Halbinsel gesperrt. Wladimir Saldo, Chef der russischen Besatzungsverwaltung im Gebiet Cherson, bestätigte die Sperrung auf Telegram und riet Autofahrern, auf die längere Route über Perekop auszuweichen.

Die Tschonhar-Angriffe sind Bestandteil einer seit Mai laufenden ukrainischen Abschnürungsoperation. Die Krim ist für Russland militärisch zentral: Von dort fliegt die russische Luftwaffe Angriffe auf ukrainisches Gebiet, die Halbinsel dient als Nachschubbasis für Einheiten in der Südukraine. Insgesamt gibt es drei Straßenzugänge zur Krim – Perekop und Tschonhar im Norden sowie die Kertsch-Brücke im Osten – doch letztere gilt für Treibstofftransporte per Lastwagen als zu riskant.

Gleichzeitig trafen ukrainische Drohnen die Grusowaja-Ölumschlaganlage nahe Noworossijsk in Russlands Region Krasnodar – einem der größten Umschlaghubs für Erdöl in Südrussland. 130 Feuerwehrleute rückten aus, Opfer wurden nicht gemeldet. Kremlsprecher Dmitri Peskow räumte erstmals öffentlich ein: «Es gibt tatsächlich gewisse Probleme im Moment» – die erste offizielle Bestätigung eines Kraftstoffengpasses auf der Krim.

Ob die Abschnürungsstrategie Russlands Verteidigungsfähigkeit dauerhaft schwächt, bleibt militärisch offen. Moskau hat eine Ausweichroute entlang des Asowschen Meeres gebaut, die jedoch ebenfalls unter ukrainischem Drohnenbeschuss steht. Mit jedem weiteren Angriff schrumpft Russlands logistischer Spielraum auf der Halbinsel.

Perspektiven

Die Abschnürungsstrategie erzeugt militärischen Druck, birgt aber das Risiko, Russland in eine Ecke zu drängen, aus der nur Eskalation als Ausweg bleibt. Russland hat die Krim innenpolitisch als eigenes Territorium kommuniziert – ein öffentliches Eingeständnis von Versorgungsengpässen ist dort brisant. Wie Moskau reagiert, hängt davon ab, ob es einen Gesichtsverlust noch managen kann.

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Redaktionelle Einordnung

Die Krim wurde 2014 von Russland annektiert und dient seither als wichtigster Stützpunkt für russische Operationen in der Südukraine. Die Tschonhar-Brücke und die Perekop-Route sind neben der Kertsch-Brücke die einzigen Landverbindungen – ihre Unterbrechung trifft vor allem die Treibstoffversorgung russischer Einheiten, da Seetransporte seit Monaten durch ukrainische Angriffe weitgehend blockiert sind.

Um die Ecke gedacht

Die Tschonhar-Angriffe fallen zeitlich zusammen mit dem Drohnenangriff auf den Öl-Exporthafen Noworossijsk – Russlands wichtigstem Schwarzmeerhafen. Ob das koordinierte Strategie oder Zufall ist, lässt sich von außen nicht sagen. Auffällig ist: Alle drei Krim-Zugangsrouten stehen mittlerweile unter regelmäßigem Beschuss.