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Moskau räumt Kraftstoffengpässe durch ukrainische Drohnenangriffe ein
Russlands Energieministerium gibt erstmals offiziell zu, dass ukrainische Luftangriffe auf Raffinerien zu Kraftstoffengpässen im Süden des Landes führen.
Das russische Energieministerium hat eingeräumt, dass ukrainische Luftangriffe zu Versorgungsengpässen bei Kraftstoff in mehreren südlichen Regionen Russlands führen. "Feindliche Angriffe aus der Luft" hätten Unternehmen des Kraftstoff- und Energiesektors getroffen, heißt es in einer Telegram-Mitteilung der Behörde, was zu "vorübergehenden Schwierigkeiten" mit der Kraftstoffversorgung geführt habe. Das Ministerium kündigte die Gründung eines internen Krisenstabs aus Branchenunternehmen an, der eine stabile Versorgung sicherstellen soll.
Das Eingeständnis kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Russland den Kriegsverlauf in seinen öffentlichen Verlautbarungen seit mehr als vier Jahren weitgehend als unkritisch darstellt. Der Schritt, Versorgungsprobleme offiziell anzuerkennen, ist deshalb ungewöhnlich. Vizeregierungschef Alexander Nowak hatte bereits beim Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum erklärt, Russland fördere derzeit weniger Öl als ursprünglich geplant – er nannte damals "unplanmäßige Reparaturen" als Grund, ohne einen Zusammenhang mit dem Krieg herzustellen.
Konkret sind die Auswirkungen bereits zu spüren: Auf der annektierten Halbinsel Krim und im besetzten Gebiet Luhansk haben von Moskau eingesetzte Behörden die Abgabe von Benzin eingeschränkt. Die russische Regierung hat außerdem erstmals und vorläufig bis Ende November den Export von Kerosin untersagt. Das Kerosin-Exportverbot ist ein direkter Hinweis auf Produktionseinbußen in der Treibstoffversorgungskette.
Die Ukraine hat in den vergangenen zwei Jahren die Strategie verfolgt, russische Energieinfrastruktur systematisch anzugreifen. Raffinerien in Rostow am Don, Saratow und Rjazan wurden dabei mehrfach getroffen. Solche Angriffe sollen Russlands Fähigkeit beschränken, den Krieg zu finanzieren und militärische Logistik aufrechtzuerhalten – und entfalten nun offenbar messbare Wirkung auf die Zivilversorgung.
Das Eingeständnis Moskaus ist ein Datenpunkt, kein Wendepunkt: Versorgungsengpässe in Südregionen schwächen Russland, reichen aber nicht aus, um Kriegsziele oder Verhandlungsposition grundlegend zu verschieben. Das eigentliche Dilemma bleibt: Energieangriffe erhöhen den Preis des Krieges für Russland, ohne ihn für die Ukraine zu senken.
Russland hat über vier Jahre Kriegsfolgen für die eigene Bevölkerung systematisch kleingeredet. Dass das Energieministerium jetzt Versorgungsengpässe öffentlich einräumt, deutet darauf hin, dass die Schäden so sichtbar sind, dass ein Herunterspielen unglaubwürdig geworden ist.
Das zeitgleiche Kerosin-Exportverbot trifft nicht nur die russische Staatskasse: Russland beliefert trotz Sanktionen über Umwege noch immer Drittländer mit Raffinerieprodukten. Ein Exportverbot signalisiert, dass die inländische Versorgung vorgeht – was darauf hindeutet, dass die Produktionsausfälle größer sind als die offizielle Formulierung "vorübergehend" nahelegt.