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Pistorius ordnet erstmals Pflichtversetzungen zur Litauen-Brigade an
Weil sich zu wenige Freiwillige melden, ordnet Minister Pistorius erstmals Pflichtversetzungen von mehreren Hundert Soldaten zur Litauen-Brigade an.
Zum ersten Mal zwingt die Bundeswehr Soldaten an die Nato-Ostflanke. Weil sich für die Panzerbrigade 45 „Litauen“ nicht genügend Freiwillige finden, ordnet Verteidigungsminister Boris Pistorius verpflichtende Versetzungen an. Betroffen ist laut Ministerium eine Zahl „im mittleren dreistelligen Bereich“.
Deutschland hat 2024 zugesagt, erstmals einen kampfbereiten Großverband dauerhaft im Ausland zu stationieren. Als Reaktion auf das Auftreten Russlands sollen bis Ende 2027 rund 4.800 Soldaten und 200 zivile Mitarbeiter in Litauen stehen. Feste Standorte entstehen in Rūdninkai, rund 30 Kilometer von Belarus entfernt, und in Rukla.
Aktuell sind fast 80 Prozent der Stellen mit Freiwilligen besetzt. Lücken bleiben vor allem bei Logistikern und IT-Fachkräften. „Das Freiwilligkeitsprinzip bleibt unverändert unsere Handlungsmaxime“, betonte das Ministerium und verwies auf mehr als 2.500 freiwillige Meldungen seit Mai. Betroffene erhalten eine zusätzliche Ankündigungsfrist und können gegen die Anordnung klagen. Nach einem Bericht der „Bild“ könnten die ersten Befehle Ende September ergehen.
Pistorius bekräftigte den Zeitplan. Die Brigade werde „wie geplant Ende 2027“ einsatzfähig sein. Am Montag will das Ministerium den Verteidigungsausschuss über die nächsten Schritte unterrichten. Wie viele der Betroffenen den Rechtsweg beschreiten, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
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Die Bundeswehr steht vor einem echten Zielkonflikt zwischen ihrem Freiwilligkeitsprinzip und einem festen Einsatztermin Ende 2027. Hält sie strikt an Freiwilligkeit fest, riskiert sie eine unvollständige Brigade zum Stichtag; greift sie zum Zwang, beschädigt sie das Prinzip, mit dem sie überhaupt wirbt. Beide Wege haben Kosten, die sich nicht gegeneinander aufrechnen lassen.