
Huthi-Blockade und Drohnenangriffe treffen saudische Ölanlagen
Nach der Huthi-Seeblockade gegen Saudi-Arabien und neuen Drohnenangriffen auf Ölanlagen fällt der Schiffsverkehr am Bab al-Mandab um 56 Prozent.
Saudi-Arabien hat am Montag nach eigenen Angaben mehrere Drohnen abgefangen, die aus dem Irak auf Ölanlagen im Osten des Königreichs und auf Riad zielten. Fast zeitgleich meldeten die jemenitischen Huthi eigene Angriffe auf saudische Ölinfrastruktur. Beides geschah während einer Feuerpause zwischen Washington und Teheran, die seit Samstag hält.
Ausgelöst hat die Zuspitzung eine Ankündigung vom 20. Juli. Die Huthi verhängten damals eine Seeblockade über Saudi-Arabien und ließen Reedereien per E-Mail wissen, sie sollten in saudischen Häfen keine Fracht mehr laden oder löschen. Die Miliz begründet den Schritt als Vergeltung für die rund zwölfjährige saudisch geführte Blockade jemenitischer Häfen und Flughäfen. Zuvor hatten beide Seiten seit dem Waffenstillstand von 2022 keine Schläge mehr ausgetauscht.
Riad flog daraufhin Luftangriffe auf Huthi-Einrichtungen im Hafen von Hudaida und erklärte, es schütze damit die Schifffahrt. Die Huthi meldeten am Montag Angriffe auf Transitanlagen, die Öl zum Rotmeer-Hafen Yanbu führen, und nannten als Grund saudische Drohnenflüge über Jemen. Das saudische Verteidigungsministerium sprach von Angriffen iranisch gestützter Milizen aus dem Irak und verlangte von Bagdad, das eigene Staatsgebiet nicht länger als Abschussbasis zuzulassen. Messbar ist bislang vor allem die Wirkung auf den Handel. Nach Angaben der Zeitung The National, die die russische Staatsagentur Tass zitiert, passierten am 26. Juli nur noch 15 Frachtschiffe das Bab al-Mandab, verglichen mit 34 am Tag der Blockadeankündigung.
Jemens international anerkannte Regierung rechnet mit einer weiteren Zuspitzung. Die designierte Außenministerin Afrah al-Zouba sagte in Riad, man sei „auf jede Eskalation vorbereitet“, und warf den Huthi vor, sie wollten „die iranische Erfahrung in Hormus kopieren“. Ob die Aramco-Anlage in Abqaiq tatsächlich getroffen wurde, ist offen, denn Riad äußerte sich zu den Huthi-Angaben zunächst nicht.
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Jede Maßnahme zum Schutz der Schifffahrt verstärkt genau die Ursache des Konflikts. Riad greift Huthi-Einrichtungen in Hudaida an, um Handelsschiffe zu schützen, und trifft damit den Hafen, dessen Blockade die Huthi als Begründung für ihre Seesperre anführen. Diese Rückkopplung erklärt, warum weder reine Abschreckung noch reine Verhandlung bisher funktioniert hat.
Ob die saudische Ölproduktion tatsächlich Schaden genommen hat, belegt keine der Quellen. Die Angaben zur Anlage in Abqaiq stützen sich auf Satellitenbilder, die in sozialen Netzwerken kursieren, und weder Saudi Aramco noch die irakische Regierung kommen in den Berichten zu Wort.
Das Bab al-Mandab ist an seiner engsten Stelle nur rund 30 Kilometer breit und bildet den südlichen Zugang zum Suezkanal. Nach Daten der US-Energiebehörde EIA passierten dort 2023 täglich 9,3 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte, seit Beginn der Huthi-Angriffe auf die Schifffahrt sind es nur noch gut vier Millionen.
Während der Verkehr am Bab al-Mandab einbricht, hat sich die Zahl der Schiffe in der Straße von Hormus am 26. Juli nach demselben Bericht der Zeitung The National fast verdoppelt, nachdem dort die Kämpfe pausierten. Dieselbe Route zwischen Europa und Asien, nur ein anderer Engpass. Auffällig ist auch die Reaktion der Reedereien, denn viele Schiffe schalten laut den Verkehrsdaten ihre Transponder ab und weichen auf ungewöhnliche Kurse aus.