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Welt·10. September 2026

Europa startet Weltraumgipfel in Paris gegen US-Dominanz, USA und Merz bleiben fern

Europa startet in Paris einen Weltraumgipfel mit 120 Nationen, während SpaceX und Blue Origin unter Druck aus Washington fernbleiben und Kanzler Merz absagt.

In Paris hat am Mittwoch ein zweitägiger internationaler Weltraumgipfel begonnen, zu dem rund 2.000 Teilnehmer aus etwa 120 Ländern im Grand Palais zusammenkamen. Die größten Namen der US-Raumfahrt fehlen: SpaceX, Blue Origin sowie die Start-ups Stoke Space und Starcloud sagten ab. Nach Angaben des französischen Forschungs- und Raumfahrtministeriums geschah das auf politischen Druck aus Washington.

Frankreich richtet den Gipfel gemeinsam mit Deutschland aus und will damit Europas Abhängigkeit von den USA verringern. Diese Abhängigkeit reicht von Trägerraketen bis zu Satelliten für Kommunikation und Aufklärung. Wie groß der Rückstand ist, zeigt ein Vergleich: Während die USA nach eigenen Zielen auf tausend Raketenstarts pro Jahr zusteuern, plant Europas Ariane für das kommende Jahr neun bis elf Starts. Auch die Ukraine ist laut France 24 auf Elon Musks Starlink angewiesen, um russische Marschflugkörper-Stellungen aufzuklären.

ESA-Chef Josef Aschbacher forderte von den europäischen Ministern eine Investition von zehn Milliarden Euro über zehn Jahre. „Werden wir Passagiere oder Piloten sein?“, fragte er bei einem geschlossenen Treffen. Präsident Emmanuel Macron kündigte an, im Lauf der zwei Tage würden mehr als 50 Projekte unterzeichnet, und verwies auf einen Vertrag zwischen Amazon Leo und Arianespace über sechs zusätzliche Starts, insgesamt 24. Gemeinsam mit dem griechischen Premier Kyriakos Mitsotakis stellte er zudem die private ESA-Mission PAM-6 vor, mit der 2027 erstmals ein griechischer Astronaut ins All fliegen soll.

Der Gipfel soll gemeinsame Erklärungen hervorbringen, die spätere Verhandlungen über Weltraumverkehr und den Austausch wissenschaftlicher Daten vorbereiten. Russland, Iran und Nordkorea zählen zu den prominenten Abwesenden. Ob die angekündigte Milliardeninvestition von den Mitgliedstaaten tatsächlich beschlossen wird, bleibt nach dem Treffen offen.

Perspektiven

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Europa will Unabhängigkeit und braucht dafür ausgerechnet die Startkapazitäten, die es noch nicht hat. Der Rückzug der US-Firmen entzieht dem Kontinent kurzfristig genau jene Dienste, auf die er heute angewiesen ist. Zwischen dem Ziel der Eigenständigkeit und der realen Abhängigkeit klafft eine Übergangslücke, die sich nicht per Erklärung schließen lässt.

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Was fehlt

Eine eigene Stellungnahme von SpaceX, Blue Origin oder dem Weißen Haus zu den Absagen fehlt in allen Quellen; die Begründung „politischer Druck“ stammt allein von einem anonymen französischen Ministeriumssprecher. Zudem bleibt widersprüchlich, ob Deutschland den Gipfel voll mitausrichtet oder sich aus der Mitausrichtung zurückzog.

Redaktionelle Einordnung

Europa besitzt mit der Ariane-Rakete nur begrenzte eigene Startkapazitäten und ist für viele Starts und Satellitendienste auf US-Firmen wie SpaceX angewiesen. Wer den Zugang zum Orbit kontrolliert, bestimmt zugleich über Kommunikation, Navigation und militärische Aufklärung.

Um die Ecke gedacht

Wie abhängig Europa vom US-Zugang zum Orbit ist, zeigt ein Detail am Rande: Nach Darstellung von France 24 muss die Ukraine Elon Musk um die Nutzung von Starlink bitten, um russische Marschflugkörper-Stellungen aufzuklären. Dass das Weiße Haus seine Raumfahrtkonzerne ausgerechnet einem Gipfel fernhielt, der genau diese Abhängigkeit verringern soll, ist zumindest bemerkenswert.