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Welt·11. September 2026

Israel sprengt Hisbollah-Tunnelanlage im Südlibanon – Beben der Stärke 4,1

Israel sprengt mit rund 1.100 Tonnen Sprengstoff ein zwei Kilometer langes Hisbollah-Tunnelsystem im Südlibanon und löst dabei ein Beben der Stärke 4,1 aus.

Israel hat nach eigenen Angaben ein unterirdisches Tunnelsystem der Hisbollah unter dem Ali-al-Taher-Höhenzug im Südlibanon zerstört. Für die Sprengung setzte das Militär nach Darstellung israelischer Medien rund 1.100 Tonnen Sprengstoff ein. Die Erschütterung registrierte der US-Erdbebendienst USGS als Beben der Stärke 4,1 in etwa zehn Kilometern Tiefe.

Der Höhenzug liegt rund 15 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt und gilt als eines der umkämpftesten Gebiete im Krieg zwischen Israel und der proiranischen Miliz. Erst vergangene Woche hatte Israel die Einnahme des Kamms verkündet. Die Kämpfe gehen weiter, obwohl Israel und der Libanon im Juni eine von den USA vermittelte Waffenruhe vereinbart hatten. An diesen Gesprächen war die Hisbollah nicht beteiligt.

Nach Angaben der israelischen Armee reichte die Anlage über mehr als zwei Kilometer und enthielt Dutzende Raketen, Flugkörper und Drohnen sowie Panzerabwehrwaffen und Minen. In den Tunneln habe sich ein zentraler Kommandostand der Badr-Einheit der Hisbollah befunden, mit Führungsräumen, Waffenlagern und Unterkünften. »Das ist eine strategische Terror-Infrastruktur, die über zwei Jahrzehnte mit iranischer Finanzierung und Planung errichtet wurde«, erklärten Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz. Die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete von einer schweren Explosion, deren Erschütterungen in Nabatieh und Umgebung zu spüren gewesen seien. Eine Bestätigung der Zerstörung von libanesischer Seite gab es zunächst nicht.

Israelische Soldaten sollen in dem Gebiet bleiben, um eine Rückkehr der Hisbollah zu verhindern. Die Miliz äußerte sich zunächst nicht. Nach Angaben der Behörden in Beirut kamen seit März mehr als 4.300 Menschen bei israelischen Angriffen ums Leben, allein zu Wochenbeginn waren es nach libanesischen Angaben mindestens neun.

Perspektiven

Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.

Was Israel als Verteidigung sieht, liest der Libanon als Besatzung. Israel entfernt eine unterirdische Bedrohung nahe seiner Grenze, doch dieselbe Aktion festigt eine »Sicherheitszone« auf fremdem Staatsgebiet und liefert der Hisbollah neue Rechtfertigung. Jeder Schritt zur eigenen Sicherheit erzeugt so das Risiko der nächsten Eskalation.

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Was fehlt

Die Angaben über Umfang und Inhalt der Tunnelanlage stammen ausschließlich vom israelischen Militär und ließen sich unabhängig nicht überprüfen. Wie viele Menschen bei der Sprengung selbst zu Schaden kamen, nennt keine der Quellen.

Redaktionelle Einordnung

Der Ali-al-Taher-Höhenzug überblickt weite Teile des Südlibanons und Nordisraels. Wer ihn kontrolliert, hält eine Schlüsselposition entlang der Grenze, weshalb Israel und Hisbollah seit Monaten um das Gebiet kämpfen.

Um die Ecke gedacht

Die Waffenruhe vom Juni wurde zwischen Israel und dem Libanon geschlossen, ohne die Hisbollah einzubinden. Washington schlug vor, die libanesische Armee solle den Höhenzug übernehmen, doch die Miliz lehnte ab. Ob eine Feuerpause halten kann, die an der eigentlichen Konfliktpartei vorbei verhandelt wurde?