Russland und Belarus erklären nuklearen Beistands-Pakt und drohen mit Atomwaffen
Russlands Vize-Außenminister erklärte, Russland und Belarus seien jederzeit bereit, zum Schutz ihres Unionsstaats auch Atomwaffen einzusetzen.
Der russische Vize-Außenminister Michail Galusin hat in einem Interview mit der Zeitung Iswestija erklärt, Russland und Belarus seien jederzeit bereit, zur Verteidigung ihres gemeinsamen Unionsstaats auch Atomwaffen einzusetzen. Es ist eine der direktesten nuklearen Drohungen seit Beginn des Ukraine-Kriegs.
Galusin verwies auf die militärische Präsenz Russlands in Belarus und die regelmäßigen gemeinsamen atomaren Bereitschaftsprüfungen beider Länder. Der sogenannte Unionsstaat – ein 1999 geschlossenes russisch-belarussisches Integrationsbündnis – wird damit offiziell als nuklearer Schutzbereich definiert. Westliche Reaktionen blieben zunächst aus.
Parallel dazu griffen russische Streitkräfte die ukrainische Region Charkiw mit Raketen und Drohnen an. Vier Menschen kamen in der Stadt Tschuhujiw ums Leben, mehr als 20 wurden verletzt. Bei einem Drohnenangriff auf die Regionalhauptstadt Charkiw selbst benötigten 15 weitere Menschen medizinische Versorgung.
Ob Galusins Aussage eine offizielle Doktrinänderung markiert oder primär innenpolitischen Zwecken dient, ist aus dem Interview allein nicht ablesbar. Die Aussage trifft auf eine Situation, in der die Ukraine verstärkt russische Versorgungslinien auf der Krim angreift.
Es ist schwer zu unterscheiden, ob Russlands Nukleardrohungen Eskalation ankündigen oder verhindern sollen. Historisch hat Nuklearrhetorik in regionalen Konflikten oft beide Funktionen gleichzeitig erfüllt. Das macht jede Reaktion riskant – Überreaktion kann provozieren, Unterreaktion kann ermutigen.
Russland besitzt schätzungsweise 6.000 Atomsprengköpfe und hat im Verlauf des Ukraine-Kriegs wiederholt mit dem Einsatz taktischer Nuklearwaffen gedroht. Belarus beherbergt seit 2023 russische Nuklearwaffen auf seinem Territorium – als erstes Land außerhalb Russlands seit dem Ende der Sowjetunion.
Galusins Aussage erschien am selben Tag, an dem die Ukraine erneut die Tschonhar-Brücke zur Krim angriff und russische Ölanlagen in Krasnodar traf. Ob die Erklärung auf diese konkreten Angriffe reagiert oder Teil einer längerfristigen Drohkulisse ist, geht aus dem Interview nicht eindeutig hervor.