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Berlin verhandelt geheim mit US-Regierung ueber hoehere Medikamentenpreise
Berlin verhandelt laut Politico seit Monaten heimlich mit Washington über höhere Medikamentenpreise, lehnt eine pauschale Erhöhung aber ab.
Die Bundesregierung verhandelt seit mehreren Monaten streng vertraulich mit dem US-Gesundheitsministerium über Medikamentenpreise. Das berichtet das Portal Politico unter Berufung auf drei mit den Gesprächen vertraute Personen. Weder das deutsche Gesundheits- und Wirtschaftsministerium noch die US-Seite wollten sich dazu äußern.
Den Anstoß gab eine Forderung von US-Präsident Donald Trump. Aus seiner Sicht zahlen die USA zu viel für Arzneimittel und finanzieren damit die globale Forschung, während europäische Länder von niedrigeren Preisen profitieren. Tatsächlich liegen die Preise für patentgeschützte Medikamente in Deutschland deutlich unter dem US-Niveau. Washington übt deshalb Druck auf Berlin aus, diese Differenz zu verringern.
Die Bundesregierung lehnt eine pauschale drastische Preiserhöhung jedoch ab. Der Grund ist das Milliardendefizit der gesetzlichen Krankenversicherung, das durch teurere Medikamente weiter wachsen würde. Stattdessen will Berlin gemeinsam mit den USA Wege erkunden, wie hierzulande mehr in Forschung und Entwicklung investiert werden kann. Die EU verfolgt den Vorgang genau. EU-Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi reiste am Dienstag nach Berlin und traf unter anderem Gesundheitsministerin Nina Warken sowie den Europaberater von Kanzler Friedrich Merz. Als Vorbild dient Washington Großbritannien, das bereits ein Abkommen mit den USA geschlossen hat. Es garantiert britischen Herstellern zollfreien Export, im Gegenzug soll der staatliche NHS mehr für US-Medikamente ausgeben.
Der Streit berührt einen Kernkonflikt der europäischen Gesundheitspolitik. Höhere Preise würden Pharmaforschung und Handelsbeziehungen zu den USA stützen, zugleich aber die Beitragszahler stärker zur Kasse bitten. Wie Berlin diesen Zielkonflikt auflöst, dürfte zum Präzedenzfall für andere EU-Staaten werden.
Niedrige Preise und starke Forschung lassen sich nicht zugleich maximieren. Wer Arzneimittel künstlich billig hält, profitiert kurzfristig, trägt aber weniger zu den Entwicklungskosten bei, die irgendwo gedeckt werden müssen. Genau dieser Zielkonflikt macht eine einfache Antwort unmöglich, egal ob man auf Preisstabilität oder auf Innovationsbeiträge setzt.
Patentgeschützte Medikamente kosten in den USA oft ein Vielfaches der europäischen Preise, weil dort kaum staatliche Preisregulierung greift. Trumps Forderung nach Angleichung trifft in Deutschland auf ein System, dessen gesetzliche Krankenversicherung bereits mit einem Milliardendefizit kämpft.
Großbritannien hat den Deal bereits gemacht: zollfreier Pharma-Export in die USA, im Gegenzug zahlt der staatliche NHS mehr für US-Medikamente. Dass Washington nun mit demselben Muster bei Berlin anklopft, zeigt, wie Handelszölle und Gesundheitskosten zu einem Verhandlungspaket verschmelzen. Wer den Zoll vermeiden will, zahlt an der Apothekentheke.