Almost
Neutral News
© 2026 Almost Neutral News
Archiv·Impressum·Datenschutz
Zurück

Foto: Stern

Inland·9. Juni 2026

Hambacher Forst wird dauerhaft geschuetzt und soll Wildnisgebiet werden

Land NRW und RWE einigen sich, den Hambacher Forst bis 2035 in oeffentliches Eigentum zu ueberfuehren und als Wildnisgebiet sich selbst zu ueberlassen.

Der Hambacher Forst soll dauerhaft erhalten bleiben. Das Land Nordrhein-Westfalen und der Energiekonzern RWE haben sich darauf verstaendigt, den Wald zwischen Koeln und Aachen spaetestens bis 2035 in oeffentliches Eigentum zu ueberfuehren und als Wildnisentwicklungsgebiet auszuweisen. Damit endet ein Konflikt, der ueber ein Jahrzehnt das Rheinische Revier praegte.

Ab 2012 hatten Umweltaktivisten Teile des Walds besetzt und in Baumhaeusern ausgeharrt, um die Rodung fuer den Braunkohletagebau zu verhindern. Der Hambacher Forst wurde so zum bundesweiten Symbol fuer den Widerstand gegen die Kohleverstromung. 2018 raeumte die Polizei die Baumhaeuser in einem der groessten Einsaetze der Landesgeschichte. Kurz darauf verfuegte das Oberverwaltungsgericht Muenster einen vorlaeufigen Rodungsstopp.

Nach der nun getroffenen Vereinbarung wird in einem Wildnisentwicklungsgebiet keine Forstwirtschaft mehr betrieben. Der Wald bleibt sich selbst ueberlassen und kann ueber Jahrzehnte zu einem Urwald heranwachsen. RWE will die Bewirtschaftung bereits vor der formellen Ausweisung einstellen. Geplant sind zudem zwei breite Waldstreifen, die den Hambacher Forst oekologisch mit benachbarten Waldgebieten vernetzen. NRW-Umweltminister Oliver Krischer sprach von einem historischen Tag, Wirtschaftsministerin Mona Neubaur nannte die Einigung das Ergebnis harter Arbeit.

Die konkreten Eckpunkte sollen bis Ende des Jahres in einem oeffentlich-rechtlichen Vertrag verbindlich festgeschrieben werden. Der Bund fuer Umwelt und Naturschutz Deutschland begruesste die Einigung und forderte zugleich eine zuegige Umsetzung. Offen bleibt, wie schnell sich die durch den Tagebau geschundene Region oekologisch erholt.

Perspektiven

Der Kompromiss loest einen Konflikt, in dem zwei legitime Anliegen aufeinandertrafen: eine sichere Energieversorgung und der Erhalt eines alten Waldes. Dass RWE den Forst nun abgibt, ist auch eine Folge des Kohleausstiegs, der den Tagebau ohnehin beendet. Die Einigung ist weniger ein reiner Naturschutzerfolg als das Ergebnis einer veraenderten energiepolitischen Gesamtlage.

· · ·
Redaktionelle Einordnung

Der Hambacher Forst wurde ab 2012 zum bundesweiten Symbol im Streit um die Kohleverstromung. Die gewaltsame Raeumung der Baumhaeuser 2018 und der anschliessende gerichtliche Rodungsstopp machten den Wald zu einem der bekanntesten Schauplaetze der deutschen Umweltbewegung.

Um die Ecke gedacht

RWE uebergibt nun freiwillig einen Wald, den der Konzern jahrelang roden wollte. Moeglich wurde das erst durch den deutschen Kohleausstieg, der den Braunkohletagebau ohnehin auslaufen laesst. Ob der Schritt ohne diesen politischen Rahmen je gekommen waere, bleibt offen.