
Foto: BBC News
Huthi greifen Saudi-Arabien mit Drohnen und Raketen an, Riad kündigt Vergeltung an
Die Huthi treffen mit Dutzenden Drohnen und Raketen saudische Ölanlagen und verletzen 73 Menschen, woraufhin der Ölpreis auf fast 100 Dollar je Barrel steigt.
Die jemenitischen Huthi haben am Dienstag Energieanlagen und Städte im Süden Saudi-Arabiens mit Dutzenden Drohnen und Raketen angegriffen. Nach Angaben der saudischen Behörden wurden 73 Menschen verletzt, darunter Frauen und Kinder. In mehreren Ölanlagen brachen Brände aus, die Produktion wurde vorübergehend gestoppt.
Der Angriff trifft eine Region, in der eine vierjährige informelle Waffenruhe seit Juli zerfällt. Damals verhängten die mit Iran verbündeten Huthi eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien und nahmen Flughäfen, Ölanlagen und Tanker unter Beschuss. Die von Riad geführte Koalition unterstützt seit über einem Jahrzehnt die international anerkannte Regierung Jemens gegen die Miliz. Zuletzt gerieten die Huthi am Boden unter Druck, weil Regierungstruppen in den Provinzen al-Dschauf und al-Baida Gelände zurückgewannen.
Die Koalition sprach von einer gefährlichen Eskalation und kündigte an, alle erforderlichen operativen Maßnahmen zur Abschreckung zu ergreifen. Getroffen wurden nach Darstellung der Huthi der Flughafen Abha, der Luftwaffenstützpunkt King Khalid sowie Aramco-Anlagen in Abha und Dschasan. Die Raffinerie in Dschasan verarbeitet 400.000 Barrel Rohöl pro Tag. Daraufhin stieg der Ölpreis auf über 99 Dollar je Barrel. Die Huthi begründeten die Offensive mit mehr als 120 saudischen Luftschlägen der vergangenen drei Tage und dem Vorwurf, Riad habe ein Gefängnis in al-Hazm bombardiert und dabei elf Menschen getötet.
Saudi-Arabien flog anschließend eigene Angriffe auf die Provinzen Taiz und Marib, wo seit Tagen gekämpft wird. Analysten sprechen von einer Spirale der Eskalation. Ob die Waffenruhe wiederhergestellt werden kann, bleibt offen, denn beide Seiten ringen zugleich um die Meerenge Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer.
Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.
Jeder Gegenschlag Riads löst die nächste Vergeltung der Huthi aus, und umgekehrt. Die Koalition muss abschrecken, ohne die Bodenoffensive der Regierungstruppen zu gefährden, während die Huthi um Bab al-Mandab kämpfen. In dieser Verflechtung erzeugt jede einfache Antwort ein neues Problem an anderer Stelle.
Wie stark und wie lange die saudische Ölproduktion tatsächlich gedrosselt bleibt, nennt keine der Quellen, sodass die Wirkung auf den Weltmarkt unklar bleibt. Auch zu zivilen Opfern auf jemenitischer Seite nach den saudischen Gegenschlägen fehlen belastbare Angaben.
Die Huthi kontrollieren rund ein Drittel Jemens, darunter die dicht besiedelten Gebiete, und ringen mit saudisch gestützten Regierungstruppen um die Meerenge Bab al-Mandab. Über diese Route läuft ein wachsender Teil des Öltransports, seit die Golf-Ausfuhren durch die Blockade der Straße von Hormus gedrosselt sind.
Schon 2019 legte ein Drohnenangriff auf die Aramco-Anlage in Abqaiq zeitweise die Hälfte der saudischen Ölförderung lahm. Damals wie heute genügten vergleichsweise billige Drohnen, um den Weltmarktpreis zu bewegen. Ob das die Verwundbarkeit zentraler Förderanlagen offenlegt?