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Ukrainische Drohnenangriffe verschärfen Kraftstoffkrise auf der Krim
Ukrainische Drohnen haben Russlands Versorgungsroute zur Krim lahmgelegt — Kraftstoff wird rationiert, Moskau räumt die Krise ein.
Die Ukraine führt seit Anfang Mai eine systematische Drohnenkampagne gegen Russlands Nachschublinien in den besetzten Gebieten — mit zunehmend spürbaren Folgen. Allein auf der zentralen Versorgungsstraße zwischen dem russischen Rostow und der Krim, die Kriegsanalytiker als Rückgrat der russischen Besatzung im Süden bezeichnen, flogen ukrainische Drohnen seit Mai rund 300 Angriffe auf Lastwagen, darunter 30 Tankfahrzeuge. Der Militär-Lastwagenverkehr auf dieser Route ist laut dem ukrainischen Drohnenstreitkräfte-Kommandeur Robert Browdi zwischen Ende Mai und Anfang Juni um 71 Prozent gesunken.
Die Krim trägt die sichtbarsten Folgen dieser Kampagne. Die 2014 von Russland annektierte Halbinsel ist strategisch doppelt bedeutsam: Sie dient als Abschussplattform für Drohnen und Raketen gegen das ukrainische Kernland und ist im Sommer wichtigstes Reiseziel für russische Urlauber. Russische Urlauber und Einwohner berichten auf sozialen Medien von Warteschlangen bis zu zehn Stunden an Tankstellen; die meisten Stationen verkaufen pro Person maximal 20 Liter. Ein Einwohner aus Simferopol schrieb: Ich gehe jetzt zur Arbeit zu Fuß. Alles, was ich noch brauche, ist ein Pferd.
Moskau hat die Kraftstoffprobleme auf der Krim mittlerweile eingeräumt. Ukrainische Langstreckenangriffe auf russische Ölraffinerien, die über Monate liefen, haben Russlands Produktionskapazitäten bereits vorgeschwächt; die Drohnenkampagne auf Transportrouten verschärft die Versorgungslage zusätzlich. Clément Molin vom Pariser Thinktank Atum Mundi bestätigte gegenüber der BBC die Intensivierung der Angriffe in diesem Monat.
Während der wirtschaftliche Druck auf der Krim steigt, gehen russische Angriffe auf die Ukraine unvermindert weiter. In der Region Charkiw wurden am Montag eine schwangere Frau und zwei weitere Personen bei Raketenbeschuss auf Chuhuiv getötet; 16 Menschen wurden in einem Drohnenangriff auf die Stadt Charkiw verletzt. In der Donezk-Region starben zwei weitere Menschen. Präsident Selenskyj bezeichnete zeitgleich Telefonate mit den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner als sehr positiv — er wolle die Diplomatie zur Kriegsbeendigung in den kommenden Wochen intensivieren.
Die Krim ist seit der russischen Annexion 2014 über eine einzige Landbrücke und ein Eisenbahnnetz mit dem russischen Festland verbunden — seit der Beschädigung der Krimbrücke 2022 ist die Straßenverbindung über Mariupol zur kritischsten Versorgungsader geworden.
Russland startete seine Invasion im Februar 2022 auch mit dem Ziel, die Krim dauerhaft logistisch zu sichern. Gut vier Jahre später transportiert diese Versorgungsroute nun Kraftstoff unter Dauerbeschuss — während russische Urlauber auf Strandurlaub hoffen. Der strategische Nutzen der Krim-Besatzung kostet Moskau inzwischen täglich mehr, als er militärisch einbringt.