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Foto: BBC News

Welt·9. Juni 2026

Kenias Ex-Oberster Richter Maraga bei Naturschutzprotest in Nairobi verhaftet

Kenias Ex-Richter David Maraga wurde bei einem Protest gegen Bebauungspläne im Nairobi-Nationalpark verhaftet – Amnesty verurteilte den Einsatz.

Kenias früherer Oberster Richter David Maraga ist am Montag bei einem Protest gegen angebliche Bebauungspläne im Nairobi-Nationalpark verhaftet worden. Er war Teil einer Demonstrantengruppe, die eine Petition an die Kenya Wildlife Service (KWS) übergeben wollte – gegen die geplante Errichtung eines Parkhauses für 1.300 Fahrzeuge auf Schutzgebietsland.

Der Nairobi-Nationalpark erstreckt sich über 117 Quadratkilometer und liegt nur zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Er ist weltweit das einzige Großwildsafari-Schutzgebiet innerhalb einer Hauptstadt und beherbergt Löwen, Büffel, Giraffen und Leoparden. Die KWS plant laut Aktivisten außerdem, ein neues, 89 Hektar großes Tiergehege innerhalb des Parks zu errichten – das entspricht 0,31 Prozent seiner Gesamtfläche, wie ein KWS-Vertreter erklärte. Die Behörde verteidigt das Vorhaben als Verbesserung für Tierwohl und veterinäre Ausbildung.

Soziale Medien zeigten Polizisten, die die Demonstration auflösten und Demonstranten festnahmen, die auf einer zweispurigen Straße saßen. Maraga, gekleidet in den Farben seiner United Green Movement-Partei, wurde in einen Laster gebracht, während Umstehende "Long live the park" riefen. Zehn Aktivisten wurden verhaftet; Maraga wurde nach einiger Zeit freigelassen, weigerte sich aber, die Polizeistation zu verlassen, bis auch seine Mitstreiter auf freiem Fuß waren.

Amnesty International, Greenpeace Africa und weitere Umweltorganisationen verurteilten die Verhaftungen in einer gemeinsamen Erklärung als "inakzeptablen Eingriff" in das verfassungsrechtlich garantierte Recht auf friedliche Versammlung. Die Polizei gab keine offizielle Stellungnahme ab. Maraga, der für die Präsidentschaftswahl 2027 kandidieren will, schrieb auf X, er sei verhaftet worden, um das nationale Naturerbe vor "Gier und unnötiger Zerstörung" zu schützen.

Perspektiven

Das Dilemma ist real: Afrikanische Nationalparks brauchen Einnahmen, um überleben zu können – und Einnahmen erfordern Infrastruktur. Wer Parkgebühren und Tourismus als Finanzierungsmodell für den Naturschutz akzeptiert, muss auch akzeptieren, dass Infrastruktur dafür gebaut wird. Die Frage ist nicht ob, sondern wo die Grenze gezogen wird – und wer diese Grenze legitim setzen darf.

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Redaktionelle Einordnung

David Maraga ist in Kenia keine beliebige Figur: Als Oberster Richter annullierte er 2017 die Präsidentschaftswahl zugunsten von Uhuru Kenyatta – ein Urteil, das weltweit als Beispiel für richterliche Unabhängigkeit in Afrika zitiert wurde. Seine Verhaftung bei einem Umweltprotest gibt dem Fall eine politische Dimension, die weit über den Nationalpark hinausgeht.