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Foto: BBC News

Welt·9. Juni 2026

Taliban schießen auf Hijab-Protestierende in Herat – mindestens zwei Tote

Taliban-Polizei feuerte in Herat auf seltene Protestkundgebung gegen Hijab-Verhaftungen und tötete nach Angaben von Medizinern mindestens zwei Menschen.

Taliban-Polizei hat am Dienstag in Herat, der drittgrößten Stadt Afghanistans, eine seltene Protestkundgebung mit Waffengewalt aufgelöst. Mediziner am Ort berichteten der BBC von mindestens zwei Toten und weiteren Verletzten. Auf sozialen Medien verbreitete Videos lassen deutlich Schüsse hören, während Frauen im Hintergrund rufen.

Auslöser der Proteste waren Verhaftungen von Frauen durch lokale Taliban-Behörden in den Tagen zuvor. Beamte hatten begonnen, Frauen festzunehmen, die nach ihrer Einschätzung den Hijab nicht korrekt trugen – eine Regelung, die in Herat nach Augenzeugenberichten erst vergangenen Freitag bekanntgegeben worden war. Sowohl Männer als auch Frauen versammelten sich auf der Straße; Demonstranten skandierten nach BBC-Berichten die Parole Bildung, Arbeit, Freiheit.

Die Taliban-Polizei bestritt gegenüber der BBC, dass es Tote gegeben habe, räumte aber ein, Maßnahmen zur Sicherung der öffentlichen Ordnung ergriffen zu haben. Auf die direkte Frage, ob Sicherheitskräfte geschossen hatten, gab es keine Antwort. Sayed Masoud Hosseini, Sprecher des Herats Polizeikommandos, erklärte, die Demonstranten hätten Spannungen erzeugen wollen und die göttliche Pflicht zum Hijab in Frage gestellt. Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Afghanistan, Richard Bennett, erklärte auf X, er sei alarmiert über den übermäßigen Gewalteinsatz gegen scheinbar friedliche Demonstranten und forderte Rechenschaft.

Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im August 2021 sind öffentliche Proteste in Afghanistan fast vollständig versiegt. Frühe Versuche, insbesondere von Frauen, neue Regeln zu trotzen, wurden brutal niedergeschlagen. Das Hijab-Gebot ist seit Mai 2022 verpflichtend; Frauen, die das Land kennen, beschreiben eine Atmosphäre der Einschüchterung, in der selbst kleinste Regelabweichungen mit Verhaftung oder Schlimmerem geahndet werden.

Perspektiven

Die Tragödie von Herat zeigt ein klassisches Dilemma: Je rigoroser die internationalen Sanktionen, desto isolierter die Bevölkerung – je mehr Engagement, desto mehr Legitimation für die Taliban. Beide Strategien haben nachweislich Grenzen. Die Ereignisse in Herat verdeutlichen, dass keine externe Politik allein die innere Dynamik eines Regimes verändern kann, das seine Bevölkerung als Geisel hält.

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Redaktionelle Einordnung

Seit der Taliban-Machtübernahme 2021 haben die Machthaber Afghanistan zum einzigen Land der Welt gemacht, in dem Frauen vom Bildungssystem vollständig ausgeschlossen sind. Öffentliche Proteste – vor allem von Frauen – sind seither extrem selten, weil die Konsequenzen nach früheren Erfahrungen Verhaftung, Misshandlung und Tod umfassen.

Um die Ecke gedacht

Der Protest in Herat ereignete sich in derselben Woche, in der die Taliban-Führung in Doha erneut informelle Gespräche mit westlichen Diplomaten geführt haben soll, die eine begrenzte internationale Anerkennung anstreben. Ob diese Parallelität Einfluss auf die Reaktion der Lokalbehörden hatte oder nicht, bleibt offen – auffällig ist das Timing allemal.