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Foto: BBC News

Welt·21. Juli 2026

Selenskyj entlässt Oberbefehlshaber Syrskyj nach tagelangen Protesten

Selenskyj entlässt nach sechs Tagen Protesten Armeechef Syrskyj und ernennt General Drapatyj, gibt dem beliebten Ex-Minister Fedorow sein Amt aber nicht zurück.

Frühere Artikel
  • Machtkrise in Kiew: Proteste nach Entlassung von Verteidigungsminister Fedorow

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Dienstagabend den Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Olexander Syrskyj, entlassen. Die Entscheidung fällt nach sechs Tagen anhaltender Straßenproteste in Kiew und anderen Großstädten. Nachfolger wird der 43-jährige Generalmajor Michailo Drapatyj, den viele in Armee und Zivilgesellschaft als reformorientiert gelten lassen.

Ausgelöst hatte die Krise Selenskyj selbst, als er vergangene Woche überraschend den populären Verteidigungsminister Michailo Fedorow abberief. Der 35-jährige Fedorow, zuvor Digitalminister, hatte danach seinen Konflikt mit dem noch zu Sowjetzeiten ausgebildeten Syrskyj über den richtigen Kurs der Kriegführung öffentlich gemacht. Daraufhin richtete sich die Wut der Demonstranten nicht gegen den Präsidenten, sondern gegen dessen Armeechef. Zunächst hielt Selenskyj an Syrskyj fest, den er im Februar 2024 eingesetzt hatte.

Mit der Kehrtwende erfüllt der Präsident nun die Hauptforderung der Straße, ohne Fedorow zurückzuholen. Fedorow soll stattdessen eine «würdige Position» für militärtechnische Entwicklung erhalten, kündigte Selenskyj an, ohne Details zu nennen. Dem scheidenden General dankte der Präsident ausdrücklich und würdigte dessen Rolle bei der Verteidigung Kiews 2022, der Charkiw-Gegenoffensive und der Kursk-Operation. Der neue Oberbefehlshaber Drapatyj hatte zuletzt die Truppen im Raum Charkiw geführt und dort Gebiete um Kupjansk zurückerobert. Fedorow selbst begrüßte die Ernennung als «Stimme der Veränderung, die nicht ignoriert werden konnte».

Offen bleibt, ob der gestärkte Fedorow sich mit einem Posten außerhalb des Verteidigungsministeriums zufriedengibt. Interimsminister ist weiterhin der Geheimdienstler Jewhenij Chmara, dessen Bestätigung das Parlament noch aussteht. Ob die Personalrochade die politische Krise im fünften Kriegsjahr dauerhaft entschärft, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Perspektiven

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Selenskyj steht zwischen zwei legitimen Zielen, die sich widersprechen: Reaktionsfähigkeit gegenüber der Bevölkerung und Stabilität der Kommandokette. Gibt er der Straße nach, riskiert er Präzedenzfälle; ignoriert er sie, verliert er Rückhalt. Beide Wege haben im Krieg reale Kosten.

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Redaktionelle Einordnung

Straßenproteste zu Personalfragen sind in der Ukraine unter Kriegsrecht selten, weil Wahlen ausgesetzt sind und die Öffentlichkeit kaum formale Hebel hat. Fedorow gilt zudem als Architekt der ukrainischen Drohnenkriegsführung, die dem Land auf dem Schlachtfeld Vorteile verschafft hat.

Um die Ecke gedacht

Drapatyj leitete bis Oktober die operativ-strategische Gruppe Dnipro, ein östliches Kommando, das ausgerechnet Syrskyj auflöste. Nun beerbt der einst Kaltgestellte seinen früheren Gegenspieler an der Spitze der Armee. Ob die Beförderung auch eine Rehabilitierung ist, lässt Kiew offen.