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Firmeninsolvenzen in Deutschland steigen auf höchsten Stand seit 2013
Die Zahl der Firmeninsolvenzen stieg im ersten Halbjahr auf 12.812 Fälle, den höchsten Stand seit 2013, trotz eines gleichzeitigen Gründungsrekords.
Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 auf 12.812 Fälle gestiegen. Das sind 6,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und der höchste Wert für ein erstes Halbjahr seit 2013. Damals meldeten die Amtsgerichte 13.253 Verfahren.
Der Anstieg fällt in eine Phase, in der die deutsche Wirtschaft wieder wächst. Trotz höherer Energiepreise infolge des Iran-Kriegs legte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr stärker zu als erwartet, weshalb mehrere Institute und Banken ihre Wachstumsprognosen auf bis zu 1,4 Prozent anhoben. Zugleich verzeichnet die Gründerszene einen Rekord. Zwischen Januar und Juni entstanden nach Angaben des Startup-Verbands 3.053 neue Startups, 52 Prozent mehr als im Halbjahr zuvor.
Besonders betroffen waren Firmen aus Verkehr und Lagerei mit 71,6 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, gefolgt vom Gastgewerbe mit 59,6 und dem Baugewerbe mit 53,4 Fällen. Im Juni allein stellten 2.266 Betriebe einen Antrag, 15,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und damit der höchste Monatswert seit 14 Jahren. Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen stieg, um 5,1 Prozent auf 6.839 Fälle. Die Forderungen der Gläubiger bezifferte das Statistische Bundesamt für das erste Halbjahr auf rund 18,5 Milliarden Euro. Der Mittelstandsexperte der DIHK, Marc Evers, führte die Entwicklung auf die schleppende Binnenkonjunktur, hohe Energie- und Arbeitskosten sowie Bürokratie zurück.
Die DIHK forderte die Bundesregierung auf, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wieder in den Fokus zu rücken und Reformen rasch umzusetzen. Ob sich der Anstieg im zweiten Halbjahr fortsetzt, hängt davon ab, wie sich Energiekosten und Binnennachfrage entwickeln. Die nächsten amtlichen Zahlen zeigen, ob die wachsende Wirtschaft die Insolvenzwelle bremst.
Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.
Wachsendes Bruttoinlandsprodukt und steigende Pleiten schließen sich nicht aus, sie hängen zusammen. Insolvenzverfahren laufen der Konjunktur oft um Monate hinterher, und die Energiekosten des Iran-Kriegs wirken erst verzögert in den Bilanzen. Wer nur eine der Zahlen betont, übersieht, dass Erholung und Bereinigung parallel stattfinden.
Wie viele Beschäftigte von den 12.812 Insolvenzen betroffen sind, nennt keine der Quellen. Ohne diese Zahl bleibt offen, wie viele Arbeitsplätze tatsächlich auf dem Spiel stehen.
Insolvenzstatistiken laufen der Konjunktur meist hinterher, weil Verfahren oft erst Monate nach der eigentlichen Zahlungsunfähigkeit bei Gericht eingehen. Der bisherige Höchstwert von 2013 fiel in die Nachwehen der Euro-Schuldenkrise.
Rekord bei den Pleiten, Rekord bei den Neugründungen und dazu ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt — drei Zahlen aus demselben Halbjahr, die sich nur scheinbar widersprechen. Sie zeichnen einen Strukturwandel, in dem alte Geschäftsmodelle wegbrechen, während neue entstehen. Ob die 3.053 jungen Firmen die verlorenen Arbeitsplätze auffangen, sagt die Statistik allerdings nicht.