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Welt·10. September 2026

Ukraine greift russische Gasstadt Nowy Urengoj in Westsibirien mit Drohnen an

Die Ukraine greift nach eigenen Angaben erstmals eine Gasanlage im westsibirischen Nowy Urengoj an, rund 3000 Kilometer von der Grenze entfernt.

Ukrainische Drohnen haben ein Ziel im westsibirischen Nowy Urengoj angegriffen, rund 3000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Nach ukrainischen Angaben galt der Angriff einer Gaskondensationsanlage in der Erdgasstadt im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen. Es ist nach Darstellung des russischen Medienportals Mediazone der weitreichendste ukrainische Angriff seit Kriegsbeginn.

Nowy Urengoj gilt als eine der wichtigsten Städte der russischen Gasförderung; der Jamal-Kreis liefert einen Großteil des russischen Erdgases. Kiew greift seit Monaten Raffinerien, Rüstungsbetriebe und Energieanlagen auf russischem Gebiet an, um die Kriegslogistik zu schwächen. Im Juli hatte die Ukraine bereits die Industriestadt Omsk in rund 2500 Kilometern Entfernung getroffen. Als Folge der anhaltenden Angriffe auf Raffinerien meldet Russland regionale Treibstoffengpässe.

Der Gouverneur des Kreises, Dmitri Artjuchow, bestätigte den Angriff und erklärte, die anfliegenden Drohnen seien abgeschossen worden, herabstürzende Trümmer hätten jedoch einen Brand ausgelöst. Tote oder Verletzte gebe es nicht, das Ausmaß der Schäden werde noch ermittelt. Das ukrainische Rüstungsunternehmen Fire Point teilte dagegen mit, es habe das Ziel getroffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Angriff auf X als "völlig gerechtfertigt" und "auf eine Weise, die der Feind wirklich spürt". Der Energiekonzern Gazprom äußerte sich zunächst nicht.

Damit rückt die russische Gasinfrastruktur tief im Landesinneren erstmals in die Reichweite ukrainischer Kampfdrohnen. Unabhängig bestätigte Angaben zu den Schäden liegen bislang nicht vor. Selenskyj hatte zuvor gewarnt, Fluggesellschaften sollten den russischen Luftraum meiden.

Perspektiven

Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.

Der Nutzen der Tiefenschläge und ihr Eskalationsrisiko lassen sich nicht sauber trennen. Ein Treffer auf die Gasinfrastruktur schwächt Russlands Einnahmen, provoziert aber härtere Vergeltung gegen ukrainische Städte, wie die parallelen Angriffe auf Kiew zeigen. Beide Seiten steigern die Reichweite, ohne dass sich der Frontverlauf dadurch bewegt.

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Was fehlt

Eine unabhängige Bestätigung des Schadens fehlt: Es stehen sich die Darstellung des russischen Gouverneurs und die Trefferbehauptung des ukrainischen Herstellers gegenüber, während die von UNIAN verbreiteten Fotos nicht überprüfbar sind. Gazprom als Betreiber der Anlage äußerte sich nicht.

Redaktionelle Einordnung

Der Autonome Kreis der Jamal-Nenzen liefert den Großteil des russischen Erdgases und galt wegen seiner Lage tief in Sibirien bislang als außer Reichweite. Ein Treffer dort zeigt, dass ukrainische Langstreckendrohnen inzwischen Ziele in mehreren tausend Kilometern Entfernung erreichen können.

Um die Ecke gedacht

Die Reichweite der ukrainischen Angriffe wächst in Schüben: Im Juli traf Kiew Omsk in rund 2500 Kilometern, nun Nowy Urengoj in rund 3000 Kilometern. Ob sich dieses Muster fortsetzt und künftig auch weiter entfernte Förderzentren erreichbar werden, lässt sich aus den bisherigen Angriffen allenfalls vermuten.