Almost
Neutral News
© 2026 Almost Neutral News
Archiv·Impressum·Datenschutz
Zurück
Wirtschaft·28. Juli 2026

Porsche streicht weitere 5000 Stellen im Raum Stuttgart bis 2035

Porsche streicht bis 2035 weitere 5000 Stellen im Raum Stuttgart und verlängert im Gegenzug die Standortsicherung um fünf Jahre.

Porsche streicht bis 2035 weitere 5000 Stellen in der Region Stuttgart. Vorstand und Gesamtbetriebsrat verständigten sich am Montag auf ein Maßnahmenpaket, das der Hersteller Zukunftspaket nennt. Betroffen sind das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum im nahen Weissach.

Es ist die zweite große Sparrunde binnen anderthalb Jahren. Im Februar 2025 hatten sich Management und Betriebsrat bereits auf den Abbau von rund 1900 Stellen in der Region bis 2029 verständigt. Zusammen mit ausgelaufenen befristeten Verträgen fällt damit rechnerisch etwa jede dritte deutsche Stelle des Unternehmens weg. Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und langfristig möglichst viele Arbeitsplätze abzusichern, teilten Unternehmen und Gesamtbetriebsrat mit.

Der Abbau soll ohne betriebsbedingte Kündigungen laufen, vorwiegend über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. Im Gegenzug verlängert Porsche die Standortsicherung um fünf Jahre bis Ende 2035. Die Belegschaft trägt das Paket über Zugeständnisse mit. Tariferhöhungen behält das Unternehmen bis 2035 teilweise ein, das Weihnachtsgeld sinkt und der Mitarbeiterbonus richtet sich stärker nach dem Unternehmenserfolg. Große Teile des Managements verzichten 2027 und 2028 auf höhere Grundvergütungen, zugleich investiert Porsche 2,1 Milliarden Euro, damit die zweitürigen Sportwagen weiter in Zuffenhausen vom Band laufen.

Vorstandschef Michael Leiters, seit Jahresbeginn im Amt, nennt das Paket gut für Porsche und die Grundlage einer strategischen Neuausrichtung. Gesamtbetriebsratschef Ibrahim Aslan erklärt, das Paket sei hart erkämpft und müsse nun gemeinsam umgesetzt werden. Der russische Staatssender RT ordnet den Schritt in einen breiteren Niedergang der deutschen Industrie ein und führt ihn auf Energie- und Klimapolitik zurück, diese Deutung stützen die deutschen Berichte in dieser Form nicht. Offen bleibt, wie viele der 5000 Stellen sich tatsächlich über Fluktuation und Altersteilzeit auflösen lassen.

Perspektiven

Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.

Jede Variante dieses Pakets erzeugt Folgekosten an anderer Stelle. Ein Verzicht auf Kündigungen verlangt zwingend Zugeständnisse bei Lohn und Arbeitszeit, umgekehrt hätte schneller Abbau Erfahrungswissen aus dem Unternehmen gespült. Dass Porsche die Anpassung über zehn Jahre streckt, macht sie planbar und zugleich träge, falls sich der Markt schneller dreht als der Personalabbau.

· · ·
Was fehlt

Wie sich die 5000 Stellen auf Produktion und Entwicklung verteilen, nennt Porsche nicht. Stimmen betroffener Beschäftigter kommen in keiner der Quellen vor.

Redaktionelle Einordnung

Zuffenhausen und Weissach sind Produktions- und Entwicklungskern von Porsche, entsprechend zentral ist dort die Standortsicherung. Sie ist das Instrument, mit dem die IG Metall betriebsbedingte Kündigungen ausschließt und dafür Zugeständnisse bei Löhnen und Arbeitszeit akzeptiert.

Um die Ecke gedacht

Die Standortsicherung läuft bis Ende 2035, und exakt bis 2035 sollen auch die 5000 Stellen verschwinden. Wer bis dahin über Altersteilzeit oder Aufhebungsvertrag geht, ist auf den Kündigungsschutz nicht mehr angewiesen. Ob beide Fristen zufällig zusammenfallen, sagt das Unternehmen nicht.