
Island bestellt US-Botschafter ein wegen Trumps KI-Landkarte zur Annexion
Island bestellt den US-Botschafter ein, nachdem Präsident Trump eine KI-Landkarte teilte, die Island, Grönland und Kanada als US-Gebiet zeigt.
Island hat den US-Botschafter einbestellt. Auslöser ist eine KI-generierte Landkarte, die Präsident Donald Trump am Montag auf seiner Plattform Truth Social veröffentlichte. Sie zeigt die US-Flagge über Island, Grönland, Kanada, Mexiko und Teilen der Karibik.
Trump verbreitete die Karte ohne Kommentar. Sie stellt Kanada und Mexiko als einverleibt dar, ebenso Grönland, Island, Kuba, Jamaika und französische Karibikgebiete wie Martinique und Guadeloupe. Der Golf von Mexiko trägt darauf die Bezeichnung Golf von Amerika, die Trump zuvor per Dekret eingeführt hatte. Die Einbestellung folgt auf frühere Drohungen des Präsidenten gegen Grönland.
Ministerpräsidentin Kristrún Frostadóttir verurteilte den Beitrag am Dienstag vor Journalisten. Es sei eine Beleidigung für Isländer, Kanadier und Grönländer, sagte sie. Über die Souveränität von Staaten mache man sich weder lustig noch sei das normal. Auch Mexiko bekräftigte seine Souveränität, Dänemark wies die Darstellung Grönlands zurück. Die US-Botschaft in Reykjavík und das Weiße Haus äußerten sich zunächst nicht.
Der Vorfall trifft Island wenige Tage nachdem das Land in einer Abstimmung gegen Beitrittsgespräche mit der EU votiert hatte. Der Politikwissenschaftler Eiríkur Bergmann sagte, aus dem Schutzherrn USA sei ein Einschüchterer geworden. Wie Washington auf die diplomatische Rüge reagiert, ist offen.
Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.
Island muss zugleich seinen Schutzherrn nicht verprellen und seine Souveränität wahren. Genau darin liegt das Dilemma kleiner Staaten: Wer gegen den eigenen Beschützer protestiert, riskiert die Sicherheit, um die es gerade geht. Beide Ziele lassen sich nicht vollständig zusammenbringen.
Ob Trumps Beitrag eine ernstgemeinte Absicht, ein Test oder reine Provokation ist, lassen die Quellen offen. Eine Erklärung des Weißen Hauses zum Zweck der Karte fehlt.
Trump hatte wiederholt den Kauf oder die Kontrolle Grönlands ins Spiel gebracht, das zum Königreich Dänemark gehört. Island beherbergt mit Keflavík einen strategisch wichtigen Stützpunkt und verlässt sich sicherheitspolitisch seit Jahrzehnten auf die USA als Schutzmacht im Nordatlantik.
Die Karte erreichte Island in einem heiklen Moment. Kaum hatte das Land Beitrittsgespräche mit der EU abgelehnt, stellte sein wichtigster Schutzpartner dessen Souveränität symbolisch infrage. Ob die Terminierung Zufall ist oder nicht, Reykjavík steht damit zwischen zwei Bündnisoptionen ohne feste Zusage.