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Inland·9. Juni 2026

Politisch motivierte Kriminalität in Deutschland erreicht erneut Rekordwert

Die politisch motivierte Kriminalität in Deutschland steigt 2025 auf 85.837 Fälle, die linksextreme Gewalt nimmt dabei um rund 43 Prozent zu.

Die politisch motivierte Kriminalität in Deutschland hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Das Bundeskriminalamt und das Bundesinnenministerium registrierten bundesweit 85.837 Straftaten mit politischem Hintergrund. Das sind knapp zwei Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Zuwachs fiel damit deutlich schwächer aus als 2024, als die Fallzahlen noch um rund 40 Prozent gestiegen waren. Dennoch liegt das Niveau so hoch wie nie zuvor seit Beginn der Erfassung. Auch die politisch motivierten Gewaltdelikte nahmen weiter zu und erreichten mit 4.156 Fällen den höchsten Stand seit 2016. Den größten Einzelbereich bildete mit mehr als 22.000 Fällen die Hasskriminalität, von der rund ein Drittel im Internet stattfand.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ordnete bei der Vorstellung in Berlin etwa die Hälfte aller Taten, 42.544 Fälle, dem rechten Spektrum zu. Daraus leitete er ab, dass die größte Gefahr weiterhin vom Rechtsextremismus ausgehe. Zugleich verzeichneten die Behörden bei linksextrem motivierten Straftaten einen Anstieg um 35,3 Prozent auf 13.490 Fälle, bei den entsprechenden Gewaltdelikten ein Plus von fast 43 Prozent. BKA-Präsident Holger Münch erklärte, das Fundament der Demokratie werde angegriffen, und nannte soziale Medien als wesentlichen Treiber von Hass und Propaganda. Rückläufig entwickelten sich dagegen Taten ausländischer Ideologien, deren Zahl um 6,2 Prozent auf 6.886 Fälle sank.

Der Extremismusforscher Hajo Funke verknüpfte den Anstieg im Deutschlandfunk mit der härteren Migrationspolitik, die rechte Gruppen durch Angriffe auf Migranten weiter verschärfen wollten. Den Zuwachs linker Gewalt führte er vor allem auf Widerstand gegen die Polizei bei Demonstrationen zurück. Wie die Behörden auf die wachsende Gewaltbereitschaft gerade bei jugendlichen Tätern reagieren, bleibt zunächst offen.

Perspektiven

Die Statistik bündelt sehr unterschiedliche Phänomene unter einem Etikett. Rechtsextreme Körperverletzungen, linker Widerstand gegen die Polizei bei Demonstrationen und religiös motivierte Taten folgen jeweils eigener Logik. Wer eine einzige Gesamtursache sucht, wird der Komplexität dieser Dynamiken kaum gerecht.

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Redaktionelle Einordnung

Die polizeiliche Statistik erfasst angezeigte Verdachtsfälle, nicht rechtskräftige Verurteilungen, und die Zuordnung zu politischen Spektren nimmt die Polizei selbst vor. 2024 war ein Wahljahr mit Europa- und mehreren Landtagswahlen, was die Vorjahreszahlen und damit die prozentualen Vergleiche erheblich beeinflusst.

Um die Ecke gedacht

Auffällig ist die Deutung derselben Zahlen: Dobrindt verweist auf die absolute Mehrheit rechter Taten, betont aber zugleich die wachsende Gefahr von links. Ob die Statistik vor allem reale Entwicklungen abbildet oder auch ein verändertes Anzeige- und Erfassungsverhalten der Behörden, lässt sich aus den reinen Fallzahlen nicht ablesen.