Reiche stellt Start-up-Strategie mit mehr Wagniskapital und Rüstungsinvestitionen vor
Wirtschaftsministerin Reiche stellt eine Start-up-Strategie vor, die privates Wagniskapital mobilisieren und Staatsgeld in Rüstungs-Start-ups lenken soll.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat eine neue Start-up-Strategie für Deutschland vorgestellt. Kern des Plans ist es, deutlich mehr privates Wagniskapital in junge Unternehmen zu lenken. Der Staat soll dabei erstmals auch direkt in Rüstungs-Start-ups investieren.
Deutsche Gründer klagen seit Jahren, dass es in der Wachstumsphase an großem Kapital fehle und viele Firmen deshalb ins Ausland abwanderten. Reiche will diese Lücke schließen und zugleich die technologische Souveränität im Verteidigungssektor stärken. Der Vorstoß fällt in eine Zeit, in der Europa angesichts geopolitischer Spannungen verstärkt in Rüstung investiert.
Die Strategie sieht unter anderem erleichterte Kündigungen für Spitzenverdiener vor, um Unternehmen mehr Flexibilität zu geben. Der SPD-Digitalpolitiker Daniel Bettermann bewertete die Pläne seiner Koalitionspartnerin überwiegend positiv. Er lobte den Fokus auf kapitalintensive Scale-ups und auf technologische Souveränität im Verteidigungsbereich. Zugleich dämpfte er Erwartungen. Die im Koalitionsvertrag versprochene Unternehmensgründung binnen 24 Stunden sei wegen bürokratischer Hürden vorerst unrealistisch.
Ob die Strategie privates Kapital tatsächlich in dem erhofften Umfang mobilisiert, hängt an der konkreten Ausgestaltung. Die direkte Staatsbeteiligung an Rüstungsfirmen dürfte zudem die Debatte über die Rolle des Staates in der Verteidigungswirtschaft neu beleben.
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Staatsgeld für Rüstungs-Start-ups verspricht Souveränität und schafft neue Abhängigkeiten zugleich. Der Staat wird Investor und Kunde in einem, was Interessenkonflikte birgt. Sicherheitspolitischer Nutzen und marktwirtschaftliche Neutralität lassen sich hier nicht ohne Weiteres vereinen.
Deutschland gilt als Gründungsstandort mit starker Frühphase, aber schwacher Wachstumsfinanzierung. Große Finanzierungsrunden kommen oft von US-Fonds, weshalb viele Scale-ups am Ende ins Ausland abwandern.
Dass ein CDU-geführtes Wirtschaftsministerium direkte Staatsinvestitionen in Rüstungs-Start-ups plant, ist bemerkenswert für eine Partei, die sonst für Zurückhaltung des Staates in der Wirtschaft wirbt. Der Verteidigungssektor scheint die Grenzen zwischen Markt und staatlicher Lenkung neu zu ziehen.