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Foto: Stern

Inland·22. Juli 2026

Mehrheit der Rentnerinnen in Deutschland erhält Rente unter Armutsgrenze

Mehr als 60 Prozent der Rentnerinnen in Deutschland erhalten eine gesetzliche Rente unterhalb der Armutsgrenze, wie eine Regierungsantwort zeigt.

Die gesetzliche Rente vieler Frauen in Deutschland reicht rechnerisch nicht über die Armutsgrenze. Mehr als 60 Prozent der Rentnerinnen erhielten 2025 Altersbezüge unterhalb dieser Schwelle. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist deutlich. Während 60,9 Prozent der Frauen betroffen sind, liegt der Anteil bei Männern bei 27,8 Prozent. Ursache sind vor allem geringere Löhne, Teilzeit und Erwerbsunterbrechungen etwa für Kindererziehung, die sich über ein Arbeitsleben zu niedrigeren Rentenansprüchen summieren.

Als Armutsgrenze legte die Regierung 1446 Euro zugrunde, das entspricht 60 Prozent des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens. Selbst eine lange Beitragszeit schützt nur bedingt. Bei Rentnerinnen mit mindestens 45 Versicherungsjahren blieben 52,4 Prozent unter der Schwelle, bei Männern waren es 23,6 Prozent. Die Statistik bezieht sich allein auf die gesetzliche Rente.

Die tatsächliche Armutsgefährdung fällt geringer aus, weil viele Ruheständler über weitere Einkünfte oder das Einkommen des Haushalts verfügen. Laut Bundesarbeitsministerium galten 2025 rund 19,5 Prozent der über 65-Jährigen als armutsgefährdet. Die Zahlen dürften die Debatte über die Alterssicherung von Frauen neu befeuern.

Perspektiven

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Die Zahl unter der Armutsgrenze und die tatsächliche Armutsquote messen Verschiedenes. 60 Prozent der Frauen liegen mit der gesetzlichen Rente darunter, doch nur 19,5 Prozent der Älteren gelten real als gefährdet. Beide Zahlen stimmen, und wer nur eine nennt, verzerrt das Bild.

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Redaktionelle Einordnung

Der Unterschied bei den Renten spiegelt die Lohnlücke im Erwerbsleben wider. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und in schlechter bezahlten Berufen und unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit für Sorgearbeit, was sich in der umlagefinanzierten Rente direkt niederschlägt.

Um die Ecke gedacht

Dass ausgerechnet 45 Beitragsjahre, die Marke für die abschlagsfreie Rente, bei über der Hälfte der Frauen nicht vor Armut schützen, zeigt die Grenzen einer rein an Erwerbsjahren orientierten Alterssicherung. Wer wenig verdient, sammelt auch nach einem langen Arbeitsleben nur wenige Rentenpunkte.