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Foto: WELT

Welt·9. Juni 2026

Kolumbiens Praesident Petro empoert mit Heil-Hitler-Posting vor UN-Vorsitz

Kolumbiens Präsident Petro postet auf X die Worte Heil Hitler, kurz bevor er eine Nahost-Debatte im UN-Sicherheitsrat leiten soll.

Kolumbiens Präsident Gustavo Petro hat auf der Plattform X als Reaktion auf einen Zeitungskommentar lediglich zwei Worte geschrieben: „Heil Hitler“. Der Beitrag löste umgehend internationale Empörung aus. Brisant ist der Zeitpunkt, denn Kolumbien führt im Juni 2026 den rotierenden Vorsitz im UN-Sicherheitsrat und Petro soll dort eine Debatte zum Nahost-Friedensprozess leiten.

Auslöser war ein Kommentar des Journalisten Felipe Zuleta Lleras in der Zeitung „El Espectador“. Der Text sprach sich für den konservativen Präsidentschaftskandidaten Abelardo de la Espriella aus und kritisierte zugleich den linken Kandidaten Iván Cepeda, den Petros Lager unterstützt. Petro hat bereits in der Vergangenheit politische Gegner mit Faschismus und dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht. Diesmal jedoch fiel die Reaktion drastischer aus als üblich.

Israels UN-Botschafter Danny Danon bezeichnete die Äußerung auf X als „schändlichen Tiefpunkt“ und forderte Petro auf, sich zu entschuldigen, bevor er die Sitzung des Sicherheitsrats leite. Die Anti-Defamation League in New York erklärte, ein gewähltes Staatsoberhaupt sollte nicht erklärt bekommen müssen, warum ein Nazi-Slogan inakzeptabel sei. Das israelische Außenministerium sprach von einem „vollständigen Verlust des moralischen Kompasses“. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern liegen ohnehin auf Eis, seit Kolumbien sie im Mai 2024 wegen des Gaza-Kriegs abgebrochen hatte.

Der Vorfall fällt in die Schlussphase von Petros Amtszeit. Am 21. Juni entscheidet eine Stichwahl über seine Nachfolge, antreten darf er laut Verfassung nicht erneut. Ob die Empörung seine Rolle beim UN-Vorsitz beeinträchtigt, bleibt offen.

Perspektiven

Hier prallen die Logik des Online-Schlagabtauschs und die Würde eines internationalen Amtes aufeinander. Eine impulsive Provokation, die in der nationalen Wahlkampfarena entstehen mag, entfaltet auf der Bühne des Sicherheitsrats eine völlig andere Wirkung. Das eigentliche Dilemma ist, dass dieselbe Person beide Rollen gleichzeitig ausfüllt und sich die Maßstäbe widersprechen.

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Redaktionelle Einordnung

Kolumbien hat im Mai 2024 als eines der wenigen lateinamerikanischen Länder die diplomatischen Beziehungen zu Israel vollständig abgebrochen. Petro gehört zu den schärfsten Kritikern der israelischen Kriegsführung in Gaza, was den Konflikt um sein Posting zusätzlich auflädt.

Um die Ecke gedacht

Der Kommentar, der Petros Reaktion auslöste, war nach Angabe des Autors gemeinsam mit Googles KI Gemini verfasst worden. Ein KI-gestützter Wahlkampftext provoziert einen Staatschef zu einer Nazi-Parole, die wiederum seine Eignung für den UN-Vorsitz infrage stellt. Wie sich die Eskalationslogik sozialer Plattformen bis auf die höchste diplomatische Ebene fortsetzt, zeigt der Fall recht deutlich.