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Wirtschaft·10. September 2026

EZB hebt Leitzins erneut an – Einlagensatz steigt auf 2,5 Prozent

Die EZB hebt den Einlagenzins auf 2,5 Prozent an, weil die Inflation im Euroraum mit 3,3 Prozent so hoch liegt wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins erneut angehoben. Der Einlagensatz, zu dem Banken Geld bei der Notenbank parken, steigt auf 2,5 Prozent. Damit reagiert die EZB auf eine Teuerung, die seit Monaten deutlich über ihrem Ziel liegt.

Wichtigstes Mandat der Notenbank ist ein stabiler Euro und eine Inflation von mittelfristig 2,0 Prozent. Von diesem Wert ist der Euroraum weit entfernt. Ausgelöst wurde der jüngste Schub durch den seit Ende Februar andauernden Krieg zwischen den USA und dem Iran, der die Energiepreise nach oben trieb. Zuletzt stieg der Preis für Brent-Öl wieder über 100 Dollar je Barrel.

Im August lagen die Verbraucherpreise im Euroraum 3,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor, der höchste Wert seit September 2023. In Deutschland trieben teurer Sprit und teures Heizöl die Rate auf 2,9 Prozent. «Die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben», erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Höhere Zinsen verteuern Kredite und bremsen so die Nachfrage, zugleich profitieren Sparer, wenn Banken die besseren Konditionen weitergeben.

Nach eigener Prognose rechnet die EZB für dieses Jahr mit 3,0 Prozent Inflation, für 2027 mit 2,5 und erst 2028 mit 2,1 Prozent. Die Zielmarke bleibt damit über Jahre außer Reichweite. Gerüchte über einen vorzeitigen Rückzug wies Lagarde zurück, ihre Amtszeit läuft regulär bis Oktober 2027.

Perspektiven

Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.

Die EZB bekämpft mit der Nachfrage die falsche Seite eines Angebotsschocks. Höhere Zinsen kühlen Konsum und Investitionen, doch der Preistreiber liegt bei importierter Energie, nicht bei überhitzter Binnennachfrage. Genau darin liegt das Dilemma, denn straft die Notenbank zu stark, riskiert sie eine Rezession, bleibt sie zu zaghaft, verfestigt sich die Teuerung.

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Was fehlt

Wie hoch der genaue Zinsschritt ausfiel und wie die Finanzmärkte reagierten, geht aus den Quellen nur teilweise hervor. Auch Stimmen von Kreditnehmern oder Unternehmen, die die höheren Finanzierungskosten tragen, fehlen.

Redaktionelle Einordnung

Der Einlagensatz ist der Zins, zu dem Geschäftsbanken überschüssiges Geld bei der EZB parken; er wirkt als Untergrenze für die Zinsen am gesamten Geldmarkt und schlägt über Kredite und Sparzinsen auf die reale Wirtschaft durch. Weil ein großer Teil der aktuellen Teuerung auf Energiepreise zurückgeht, kann die Geldpolitik den Auslöser nur begrenzt beeinflussen.

Um die Ecke gedacht

Bemerkenswert ist der Blick in die eigene Prognose der EZB. Sie erhöht die Zinsen und kündigt zugleich an, ihr Ziel von 2,0 Prozent noch bis 2028 zu verfehlen. Ob ein weiterer Zinsschritt einen vor allem energiegetriebenen Preisschub wirklich bremst, bleibt offen, denn der Leitzins dämpft die Nachfrage, nicht den Ölpreis.