
Rumänien schaltet Atomreaktor wegen Donau-Niedrigwassers ab
Rumänien nimmt wegen des niedrigsten Donau-Pegels seit 30 Jahren einen von zwei Atomreaktoren vom Netz und gleicht den Ausfall mit Importen aus.
Rumänien schaltet von Dienstag an einen seiner beiden Atomreaktoren ab. Das Energieministerium in Bukarest begründet den Schritt mit dem Schutz der Kühlsysteme, denn der Pegel der Donau ist auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren gefallen. Den fehlenden Strom muss das Land zukaufen.
Der staatliche Betreiber Nuclearelectrica verfügt über zwei Blöcke mit je 706 Megawatt, die zusammen rund ein Fünftel der rumänischen Stromproduktion ausmachen. Beide kühlen mit Wasser aus der Donau, weshalb der Flusspegel unmittelbar über die verfügbare Leistung entscheidet. Beide Blöcke stehen am selben Standort am Fluss, weshalb ein niedriger Pegel die gesamte Kernkraftkapazität des Landes betrifft. Die Abschaltung fällt in eine Phase anhaltender Trockenheit, die auch andere europäische Wasserstraßen erfasst hat.
Für diese Woche rechnet Rumänien mit einem Spitzenbedarf von 7300 Megawatt. Dem steht eine eigene Erzeugung von bis zu 4300 Megawatt gegenüber, die Lücke schließen Importe. Die Differenz von bis zu 3000 Megawatt übersteigt die Leistung beider Reaktoren zusammen. Auch in Deutschland fallen die Wasserstände weiter. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung erwartet an der Engstelle Kaub bei Koblenz einen Rückgang von etwa 35 Zentimetern am Montag auf rund 20 Zentimeter am Freitag. Weil Frachtschiffe dort nicht mehr voll beladen werden können, verteuern sich die Transporte.
Einen Termin für die Wiederinbetriebnahme nannte das Ministerium nicht. Solange die Trockenheit anhält, bleiben Rumäniens Stromimporte und die Frachtkosten auf dem Rhein an die Flusspegel gekoppelt.
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Der Ausfall macht eine Kopplung sichtbar, die in Energiebilanzen selten auftaucht. Derselbe Fluss kühlt Reaktoren, trägt Frachtschiffe und versorgt die Landwirtschaft, und bei 20 Zentimetern in Kaub konkurrieren diese Ansprüche unmittelbar. Wer eine Nutzung priorisiert, verschiebt die Knappheit nur zur nächsten.
Wie lange die Abschaltung dauern soll und aus welchen Ländern der Ersatzstrom kommt, nennt keine der Quellen. Auch was die Importe kosten und wer sie trägt, bleibt offen.
Rumäniens einziges Kernkraftwerk steht in Cernavodă an der Donau und gibt seine Abwärme an das Flusswasser ab. Ähnliche Einschränkungen gab es in den Hitzesommern 2018 und 2022 in Frankreich, wo Reaktoren gedrosselt wurden, weil Flusswasser zu warm oder zu knapp war.
Kernkraft gilt in der europäischen Energiedebatte als wetterunabhängige Grundlast. Ausgerechnet das Wetter nimmt Rumänien nun einen Block vom Netz, der zusammen mit seinem Zwilling ein Fünftel des Landesstroms liefert, während der Ersatz aus dem europäischen Verbund kommt. Ob die Frage der Kühlwasserverfügbarkeit in den Ausbauplänen für neue Reaktoren eine Rolle spielt?