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Welt·9. September 2026

Bericht: VAE-Praesident warnte Netanjahu vor dem 7.-Oktober-Angriff

Laut einem Haaretz-Bericht warnte der VAE-Präsident Netanjahu zehn Tage vor dem 7. Oktober vor dem Hamas-Angriff, doch der Regierungschef blieb untätig.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu soll rund zehn Tage vor dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 vor genau dieser Offensive gewarnt worden sein. Das berichtet die israelische Zeitung „Haaretz". Netanjahu habe die Warnung heruntergespielt und nicht an die Sicherheitsbehörden weitergegeben.

Als Urheber der Warnung nennt der Bericht den Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed. In einem etwa 45-minütigen Telefonat habe er Netanjahu mitgeteilt, dass der damalige Hamas-Chef in Gaza, Jahia Sinwar, eine große Operation vorbereite. Der Angriff vom 7. Oktober 2023 war der schwerste auf Israel seit Jahrzehnten und löste den Krieg im Gazastreifen aus. Die Darstellung stützt sich auf ein Buch zweier Haaretz-Journalisten.

Netanjahu habe erwidert, er halte einen Angriff eher im Westjordanland für wahrscheinlich und Israel sei vorbereitet. Sein Büro wies den Bericht als „absolute Lüge" zurück und erklärte, das Telefonat habe nie stattgefunden. Die israelische Opposition übte scharfe Kritik am Regierungschef. Der Bericht erscheint mitten im Wahlkampf, denn Ende Oktober wird in Israel ein neues Parlament gewählt.

Ob sich die Darstellung belegen lässt, ist offen; sie beruht bislang auf den Recherchen der beiden Autoren. Für Netanjahu erhöht der Vorwurf den Druck in einer ohnehin aufgeladenen Debatte darüber, was Israels Führung vor dem 7. Oktober wusste.

Perspektiven

Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.

Eine einzelne, bestrittene Quelle mitten im Wahlkampf ist ein schwieriges Fundament für ein Urteil. Zwischen einem glaubwürdigen Versäumnis und einer wahlpolitisch getimten Enthüllung liegt ein weites Feld; wer beides nicht auseinanderhält, verwechselt Empörung mit Erkenntnis.

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Was fehlt

Eine unabhängige Bestätigung des angeblichen Telefonats fehlt; der Bericht stützt sich allein auf die Recherche zweier Journalisten, während sich die VAE öffentlich nicht geäußert haben. Ob es Aufzeichnungen oder Zeugen des Gesprächs gibt, bleibt offen.

Redaktionelle Einordnung

Der 7. Oktober 2023 war mit rund 1.200 Toten der folgenschwerste Angriff auf Israel seit der Staatsgründung und löste den Gaza-Krieg aus. Die Frage, warum Geheimdienste und Regierung die Warnzeichen nicht erkannten, ist seither Gegenstand mehrerer Untersuchungen, eine unabhängige staatliche Untersuchungskommission hat Netanjahu bislang verhindert.

Um die Ecke gedacht

Der Bericht erscheint wenige Wochen vor der israelischen Parlamentswahl und trifft einen Premier, der eine offizielle Untersuchung des 7. Oktober seit zwei Jahren abwehrt. Ob das Timing der Veröffentlichung dem Wahlkampf geschuldet ist, lässt sich nicht sagen, bemerkenswert ist es allemal.