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Foto: Tagesspiegel

Wissenschaft·22. Juli 2026

Lancet-Studie: Antibiotika werden weltweit nicht optimal eingesetzt

Eine Lancet-Studie zeigt, dass Antibiotika in 186 Ländern falsch eingesetzt werden und auch Deutschland zu viele Mittel der mittleren Kategorie verordnet.

Antibiotika werden weltweit nicht optimal eingesetzt. Das ist das Ergebnis einer Studie im Fachjournal „The Lancet Public Health“. Einfache Mittel gegen häufige Infektionen kommen demnach zu selten zum Einsatz, während in ärmeren Ländern oft die letzten Reservemittel fehlen.

Das Team um Aislinn Cook von der City St George's University of London untersuchte die Antibiotikanutzung in 186 Ländern und Territorien. Als Maßstab dienten die drei Kategorien, die die Weltgesundheitsorganisation 2017 eingeführt hat. „Access“ steht für einfache Mittel gegen häufige Infektionen, „Watch“ für speziellere Präparate mit höherem Resistenzrisiko und „Reserve“ für letzte Mittel gegen multiresistente Erreger. Fehlende Daten ergänzten die Forscher durch Modellrechnungen.

Als Orientierung wählte das Team Länder mit niedriger Infektionssterblichkeit und geringem Antibiotikaverbrauch. Für die wohlhabendsten Staaten war das die Schweiz, für die übrigen Marokko. Im Vergleich dazu verordneten die meisten Länder zu viele „Watch“-Antibiotika der mittleren Kategorie. Von 67 genauer untersuchten Staaten traf das auf 66 zu, darunter auch Deutschland. „Die Gewährleistung eines gerechten und angemessenen Zugangs zu wirksamen, essenziellen Antibiotika ist von zentraler Bedeutung“, schreiben die Autoren.

Der übermäßige Gebrauch der mittleren Kategorie gilt als Treiber von Resistenzen. Wie sich der Zugang zu den richtigen Mitteln verbessern lässt, bleibt die zentrale Frage. Die Autoren verbinden sie mit den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung.

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Redaktionelle Einordnung

Die WHO teilt Antibiotika seit 2017 in die Gruppen Access, Watch und Reserve ein, um den gezielten Einsatz zu steuern und Resistenzen zu bremsen. Ein Übergewicht der mittleren „Watch“-Gruppe gilt als Warnzeichen für einen zu breiten Einsatz.

Um die Ecke gedacht

Der übermäßige Griff zu „Watch“-Antibiotika treibt genau jene Resistenzen, die später die letzten „Reserve“-Mittel unverzichtbar machen. Dass ausgerechnet reiche Länder wie Deutschland zu den Vielverbrauchern zählen, verschiebt das Problem nicht allein in arme Regionen.