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Foto: NZZ

Inland·9. Juni 2026

Deutschland und Frankreich beenden Kampfjet-Projekt FCAS nach neun Jahren

Merz und Macron begraben das europäische Vorzeige-Rüstungsprojekt FCAS – Airbus und Dassault konnten sich nach neun Jahren nicht auf Arbeitsanteile einigen.

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  • Deutschland und Frankreich beenden Kampfjet-Projekt FCAS

Deutschland und Frankreich haben das Future Combat Air System (FCAS) nach neun Jahren gescheitert erklärt. Bundeskanzler Friedrich Merz teilte Präsident Emmanuel Macron mit, dass die beteiligten Unternehmen beim Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeugs nicht zusammenfinden werden – der Élysée-Palast bestätigte das Ende und sprach sein Bedauern aus.

Das Projekt war 2017 unter Angela Merkel und Macron als Symbol europäischer Verteidigungsautonomie gestartet worden, Spanien stieß 2019 dazu. FCAS sollte kein einzelner Kampfjet sein, sondern ein vernetztes Gesamtsystem aus bemannten Flugzeugen, bewaffneten Drohnen und einer digitalen Combat-Cloud – geplant für eine Ablösung von Eurofighter und Rafale ab den 2040er Jahren, mit geschätzten Gesamtkosten von über 100 Milliarden Euro. Genau an dieser Dimension zerbrach das Projekt: Zu unterschiedlich waren die militärischen Anforderungen der Partnerländer, zu unvereinbar die industriellen Machtansprüche.

Der Kern des Konflikts war die Führungsfrage beim bemannten Jagdflugzeug. Der französische Rüstungskonzern Dassault beanspruchte die Systemführerschaft beim sogenannten Next Generation Fighter, während der europäisch-deutsch-spanisch aufgestellte Airbus auf eine gleichberechtigte Arbeitsteilung und die Einhaltung bestehender Absprachen zu Patenten und Anteilen bestand. Beide Positionen waren nach übereinstimmenden Berichten jahrelang unverhandelbar – selbst politische Interventionen auf höchster Ebene änderten daran nichts. Sicherheitsexperte Christian Mölling sagte im Deutschlandfunk, das Scheitern komme nicht überraschend: "Die Schwierigkeiten haben sich über Jahre aufgebaut."

Für die Bundeswehr stellt das FCAS-Aus eine strategische Lücke dar: Ab den 2040er Jahren fehlt ein Nachfolger für den Eurofighter. Als mögliche Wege werden eine Beteiligung am britisch-italienisch-japanischen GCAP-Programm, ein US-amerikanisches Rüstungsgeschäft oder ein nationales Ersatzprogramm diskutiert. Grünen-Parteichefin Franziska Brantner bezeichnete das Ende als schweren Rückschlag für die Sicherheits- und Verteidigungspolitik in einer zunehmend gefährlichen Welt.

Perspektiven

Das eigentliche Dilemma war von Anfang an bekannt: Deutschland und Frankreich haben grundlegend unterschiedliche militärische Anforderungen – und trotzdem versuchten sie, ein identisches System zu bauen. Frankreich braucht einen trägergestützten, atomwaffenfähigen Kampfjet, Deutschland einen schnellen Eurofighter-Nachfolger. Zwei so unterschiedliche Anforderungen in einem Flugzeug zu vereinen, erhöht Komplexität und Kosten exponentiell – ein echtes Dilemma, das keine Verhandlung, nur eine grundlegende Neudefinition hätte lösen können.

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Redaktionelle Einordnung

FCAS war Europas teuerste geplante Rüstungskooperation – das Gesamtbudget über den gesamten Lebenszyklus wurde auf über 100 Milliarden Euro geschätzt. Das Projekt sollte nicht nur ein Flugzeug liefern, sondern demonstrieren, dass Europa im Verteidigungsbereich ohne die USA strategisch handlungsfähig ist.

Um die Ecke gedacht

Das FCAS-Aus wird kurz vor dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in Frankreich bekannt – einem Staatsbesuch, bei dem Macron europäische Geschlossenheit demonstrieren wollte. Das Scheitern des Prestigeprojekts schwächt Macrons Verhandlungsposition, ausgerechnet während die USA Druck auf Europa machen, mehr Rüstungsbudget in amerikanische Produkte zu investieren.