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Kultur·28. Juli 2026

Bayreuther Festspiele eröffnen KI-inszenierten „Ring“ mit „Rheingold“

Bayreuth eröffnet den Jubiläums-Ring mit einem von Künstlicher Intelligenz gestalteten Rheingold, das der Kurier-Kritiker ein Desaster nennt.

Die Bayreuther Festspiele haben ihren neuen „Ring des Nibelungen“ mit dem Vorabend „Das Rheingold“ eröffnet. Inszeniert hat ihn kein Regisseur, sondern eine Künstliche Intelligenz. Als Verantwortlicher ist allein der Kurator Marcus Lobbes ausgewiesen, der das System offenbar mit der gesamten Bildgeschichte des Hauses gefüttert hat.

Der Anlass ist ein Jubiläum. 1876 eröffnete Richard Wagner das Festival am Grünen Hügel mit ebendiesem Zyklus, in diesem Jahr feiern die Festspiele ihr 150-jähriges Bestehen. Festspielchefin Katharina Wagner verbindet damit einen Rückblick auf die eigene Geschichte und ein Experiment mit neuer Technik. Bayreuth hat solche Brüche wiederholt gesucht, von Wieland Wagners Neuanfang nach dem Krieg bis zu den Arbeiten von Christoph Schlingensief und Frank Castorf.

Die Produktion arbeitet mit zwei Leinwänden, einer auf der Vorderbühne vor den Sängern und einer im Hintergrund. Die Bildfolge beginnt bei der Ausstattung von 1876 nach Entwürfen von Josef Hoffmann und führt über Arbeiten von Cosima Wagner, Heinz Tietjen, Wieland und Wolfgang Wagner bis zu Patrice Chéreau, der den „Ring“ zum 100-Jahr-Jubiläum 1976 inszenierte. Auch Motive aus den Produktionen von Jürgen Flimm, Frank Castorf und Valentin Schwarz tauchen auf. Die Bilder halten dabei kaum länger als eine Sekunde. Der Rezensent des Kurier beschreibt den Abend als „ein einziges Desaster“ und schreibt, eine Interpretation oder Analyse der Bayreuther Vergangenheit sei nicht erkennbar.

Ob sich das Konzept über den gesamten Zyklus trägt, muss sich in „Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ zeigen. Bislang liegt nur diese eine Bewertung des Vorabends vor.

Perspektiven

Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.

Das Experiment legt offen, worin die Leistung einer Regie eigentlich besteht. Bilder erzeugen kann die Maschine im Überfluss, Auswahl und Auslassung sind die Entscheidungen, aus denen eine Deutung entsteht. Genau diese Instanz hat die Produktion durch einen Kurator ersetzt, der das System füttert.

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Was fehlt

Wie das Publikum reagierte und wie die Festspielleitung die Premiere bewertet, geht aus der einzigen vorliegenden Kritik nicht hervor. Auch Angaben zur musikalischen Seite des Abends und weitere Besprechungen fehlen bislang.

Redaktionelle Einordnung

Der „Ring des Nibelungen“ besteht aus vier Teilen, „Das Rheingold“ ist der Vorabend und dauert rund zweieinhalb Stunden ohne Pause. Die Bayreuther Festspiele wurden 1876 mit genau diesem Zyklus eröffnet und feiern in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen.

Um die Ecke gedacht

Bayreuth hat den Skandal zur Tradition gemacht. Chéreaus „Ring“ wurde 1976 ausgebuht und gilt heute als Maßstab der Wagner-Regie. Ob sich ein Urteil auch über eine Inszenierung ohne Regisseur drehen kann, ist offen, denn ein Konzept, das sich später verteidigen ließe, benennt bislang niemand.