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Foto: taz

Inland·10. September 2026

VAE-Präsident bin Zayed zu Staatsbesuch in Berlin – Kritik wegen Sudan-Krieg

Steinmeier empfängt den VAE-Präsidenten mit militärischen Ehren, während Kritiker Berlin wegen der Emirate-Rolle im Sudan-Krieg Doppelmoral vorwerfen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed Al Nahyan, am Donnerstag mit militärischen Ehren in Berlin empfangen. Am Abend ist ein Staatsbankett geplant, tagsüber trifft der Gast Bundeskanzler Friedrich Merz. Begleitet wird der Besuch von einem Polizeiaufgebot mit 1.300 Einsatzkräften.

Beide Seiten wollen die wirtschaftlichen und strategischen Beziehungen ausbauen. Nach Angaben eines Regierungssprechers geht es um engere Zusammenarbeit bei Rüstung, Energiepolitik und der Bekämpfung von Cyberkriminalität. Eine Vertreterin des emiratischen Außenministeriums sprach gegenüber der „Welt“ von bis zu 45 geplanten Vereinbarungen, die Emirate nennen milliardenschwere Abkommen.

Begleitet wird der Empfang von scharfer Kritik. Der Historiker und Konfliktforscher Roman Deckert nannte den deutschen Umgang mit den Emiraten „ein fatales Signal“ und sprach von der „Krönung der Doppelmoral“. Die VAE gehörten zu den Hauptunterstützern der RSF-Miliz, die im Sudan seit 2023 gegen die Armee kämpft. UN-Experten hatten vergangene Woche auf ausländische Unterstützung der Kriegsparteien mit Personal und Waffen hingewiesen.

Im Hintergrund steht auch ein wirtschaftlicher Streit. Nach Recherchen von Politico alarmieren mögliche Direktflüge der Fluggesellschaft Emirates die Lufthansa und setzen ein Gerangel der Bundesländer in Gang. Ob und welche der angekündigten Abkommen unterzeichnet werden, soll sich im Lauf des Besuchs zeigen.

Perspektiven

Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.

Die Emirate sind zugleich Energielieferant, Investor, Sicherheitspartner und Kriegsakteur, und diese Rollen lassen sich nicht sauber trennen. Isolation kostet Einfluss, enge Umarmung kostet Glaubwürdigkeit, und beides hat reale Folgen für Deutschlands Stellung am Golf. Jede Entscheidung in diesem Dreieck erzeugt Kosten an anderer Stelle.

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Was fehlt

Wie die Bundesregierung den Vorwurf der Sudan-Unterstützung bewertet und ob das Thema bei den Gesprächen zur Sprache kommt, geht aus den Quellen nicht hervor. Auch eine Stellungnahme der Emirate zu den UN-Vorwürfen fehlt.

Redaktionelle Einordnung

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind für Deutschland ein wichtiger Energie- und Rüstungspartner am Golf; zugleich werfen UN-Experten dem Land vor, im sudanesischen Bürgerkrieg die RSF-Miliz mit Personal und Waffen zu unterstützen, der schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen werden.

Um die Ecke gedacht

Während in Berlin über Rüstungskooperation und Direktflüge verhandelt wird, läuft im Sudan einer der tödlichsten Kriege der Gegenwart — mit einer Konfliktpartei, die dieser Staatsgast unterstützen soll. Dass ausgerechnet der Bundespräsident, der sich oft auf das Völkerrecht beruft, den roten Teppich ausrollt, nennen Kritiker die „Krönung der Doppelmoral“.