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Foto: WELT

Welt·11. September 2026

Frühere EU-Kommissarin und Außenministerin Emma Bonino mit 78 gestorben

Die frühere EU-Kommissarin und italienische Außenministerin Emma Bonino ist mit 78 Jahren gestorben, quer durch die Lager würdigen Politiker ihr Wirken.

Emma Bonino ist tot. Die frühere EU-Kommissarin, Außenministerin und Symbolfigur der italienischen Bürgerrechtsbewegung starb im Alter von 78 Jahren, wie ihre Partei Più Europa am Freitag mitteilte. Zuletzt war sie wegen einer Atemkrise in die römische Klinik Santo Spirito eingeliefert und auf der Intensivstation behandelt worden.

Bonino gehörte über mehr als fünf Jahrzehnte zu den bekanntesten Stimmen der italienischen Politik. Berühmt wurde die 1948 in Bra geborene Politikerin in den 1970er Jahren als Vertreterin der Radikalen Partei, die im katholisch geprägten Italien für die Legalisierung der Abtreibung kämpfte. Mit 26 Jahren nahm sie selbst eine damals illegale Abtreibung vor und machte den Schritt öffentlich. Von 1995 bis 1999 war sie in der EU-Kommission für den Verbraucherschutz zuständig, später wurde sie in Rom Europaministerin und Außenministerin.

Ihr Ansehen blieb bis zuletzt hoch. 2013 bewarb sie sich als erste Frau um das Amt der Staatspräsidentin und lag in Umfragen lange vorn, ehe der Amtsinhaber Giorgio Napolitano wiedergewählt wurde. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erklärte, Bonino habe „für Jahrzehnte eine starke und wiedererkennbare Stimme der italienischen Politik“ verkörpert; die eigenen Ansichten seien weit auseinandergelegen, das habe die Anerkennung ihrer Rolle nie verhindert. EU-Parlamentspräsidentin Metsola schrieb, Europa werde Bonino vermissen. Der Senat hielt zum Sitzungsauftakt eine Schweigeminute ab.

Mit Bonino verliert die italienische Politik eine Frau, die sich links wie rechts der Einordnung entzog. Ihre Partei Più Europa erklärte, sie verliere „eine der klarsten, mutigsten und freiesten Persönlichkeiten“ des Landes. Wer die Kleinpartei künftig führt, ist offen.

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Was fehlt

Wer die von Bonino geprägte Kleinpartei Più Europa nach dem Tod ihrer Gründerin führen soll, lassen die Berichte offen.

Redaktionelle Einordnung

Bonino war eine der letzten prägenden Figuren der Radikalen Partei, die in Italien seit den 1970er Jahren viele Bürgerrechte über Referenden erstritt. Als überzeugte Europa-Föderalistin und Verfechterin liberaler Positionen stand sie quer zur Rechtsregierung Melonis.

Um die Ecke gedacht

Dass ausgerechnet Giorgia Meloni die radikale Bürgerrechtlerin würdigt, ist bemerkenswert: Boninos liberale Haltung zu Abtreibung und Migration steht quer zur Linie von Melonis Fratelli d'Italia. Ob das echte Anerkennung ist oder Pflichtübung im Staatsprotokoll, sagt der Nachruf nicht.