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Welt·9. Juni 2026

IPSOS-Studie: Globale Akzeptanz queerer Menschen erstmals seit 2021 gesunken

Laut IPSOS-Pride-Report 2026 befürworten nur noch 49 Prozent der Menschen weltweit Offenheit queerer Menschen – ein Rückgang von sechs Punkten seit 2021.

Die gesellschaftliche Akzeptanz queerer Menschen ist weltweit erstmals seit Jahren zurückgegangen. Das zeigt der IPSOS LGBT+ Pride Report 2026, der auf einer Befragung von 19.019 Personen in 26 Ländern basiert. Nur noch 49 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass queere Menschen offen mit ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität umgehen sollten – ein Rückgang um sechs Prozentpunkte verglichen mit 2021.

Auch bei der Frage nach rechtlicher Gleichstellung sank die Unterstützung. Weltweit befürworten 66 Prozent die Ehe oder eine andere rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare, acht Prozentpunkte weniger als vor fünf Jahren. Die Befragung fand zwischen dem 24. April und 8. Mai 2026 statt und umfasste Personen im Alter von 16 bis 74 Jahren.

Die Unterschiede zwischen Ländern sind nach wie vor erheblich: Die höchsten Zustimmungswerte für offenes queeres Leben verzeichnete IPSOS in Spanien und Thailand. Die Umfrage wird jährlich veröffentlicht und gilt als einer der umfassendsten internationalen Vergleiche zur Einstellung gegenüber LGBTQ+-Menschen.

Die Ergebnisse erscheinen unmittelbar vor dem Pride-Monat Juni, in dem weltweit Demonstrationen und Veranstaltungen für queere Rechte stattfinden. Forschende sehen den Rückgang im Kontext eines globalen Erstarkens von Bewegungen, die Fortschritte in der LGBTQ+-Gleichstellung in Frage stellen. Politische Reaktionen auf die Studie wurden bislang nicht bekannt.

Perspektiven

Globale Durchschnittswerte verbergen, dass die Welt gespalten ist – und dass die Spaltung wächst. In westlichen Ländern ist die Akzeptanz meist gestiegen; in bevölkerungsreichen Ländern mit anderen kulturellen Ausgangspunkten ist sie gesunken. Wer daraus eine globale Rückwärtsbewegung ableitet, ignoriert das eine; wer den Rückgang kleinredet, ignoriert das andere.

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Redaktionelle Einordnung

Die IPSOS-Studie misst Einstellungen, keine Rechtslagen – aber Einstellungen gehen Gesetzgebung in der Regel voraus. In Ländern, die LGBTQ+-Rechte in den letzten Jahren ausgebaut haben, war steigende gesellschaftliche Akzeptanz oft der erste Schritt; umgekehrt gingen Rückschritte in der Gesetzgebung regelmäßig von sinkenden Umfragewerten begleitet. Der Rückgang von sechs Punkten in fünf Jahren ist deshalb kein statistisches Rauschen, sondern ein potenzieller Frühindikator.

Um die Ecke gedacht

Die Studie erscheint in einem Jahr, in dem mehrere Länder – darunter Ungarn und Russland – ihre Anti-LGBTQ+-Gesetzgebung verschärft haben. Ob die sinkenden Umfragewerte Ursache oder Folge dieser Gesetze sind, lässt sich auf Basis der IPSOS-Daten nicht sagen. Was die Studie belegt: Die Idee, gesellschaftliche Akzeptanz sei ein linearer Prozess, ist empirisch nicht haltbar.