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Foto: taz

Inland·22. Juli 2026

Zehnter Jahrestag des rechtsextremen OEZ-Anschlags in München

Zehn Jahre nach dem rechtsextremen OEZ-Anschlag in München gedenken Steinmeier und Angehörige der neun Opfer, die weiter auf Aufklärung warten.

Am 22. Juli 2016 erschoss ein 18-jähriger Deutsch-Iraner am Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen und tötete anschließend sich selbst. Fünf weitere Menschen wurden verletzt. Zehn Jahre später versammeln sich Angehörige, Überlebende und Vertreter des Staates am Tatort, um der Opfer zu gedenken.

Die Einordnung der Tat hat sich über Jahre verschoben. Zunächst stuften die Behörden das Geschehen als Amoklauf ein. Erst später bewerteten sie es als rassistisch motivierten Anschlag, weil der Täter seine Opfer gezielt nach vermeintlichen Hinweisen auf eine ausländische Herkunft ausgewählt hatte. Sieben der neun Getöteten hatten einen Migrationshintergrund. Diese verspätete Neubewertung prägt bis heute das Verhältnis vieler Angehöriger zu den Ermittlungsbehörden.

Zur zentralen Gedenkfeier werden Bundespräsident Steinmeier, Landtagspräsidentin Aigner und Oberbürgermeister Krause erwartet. Um 17.51 Uhr, dem Zeitpunkt der ersten Schüsse, soll eine Gedenkminute mit Kranzniederlegung stattfinden, bei der die Namen aller neun Opfer verlesen werden. Eine Sonderkommission des Bayerischen Landeskriminalamts hatte die Tat über Jahre untersucht. „Jetzt glauben wir nichts mehr, auch nicht der Polizei“, sagt ein Angehöriger stellvertretend für den anhaltenden Vertrauensverlust.

Für viele Hinterbliebene bleiben zentrale Fragen zum Ablauf und zur Einstufung offen. Die Stadt München nutzt den Jahrestag, um die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten und den rechtsextremen Hintergrund der Tat zu betonen. Ob die verspätete Aufarbeitung das Vertrauen der Angehörigen zurückgewinnen kann, bleibt offen.

Perspektiven

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Die Wahrheit über solche Taten liegt im Spannungsfeld zwischen Ideologie und persönlicher Pathologie. Der Täter bewunderte Breivik und suchte Opfer nach Herkunft aus, litt aber auch unter psychischen Problemen. Wer nur eine Erklärung zulässt, verkürzt eine Tat, die aus mehreren Faktoren zugleich entstand.

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Redaktionelle Einordnung

Der Anschlag wurde jahrelang als Amoklauf geführt, bevor Behörden ihn als rassistisch motivierte Tat einstuften – diese Neubewertung erklärt, warum viele Angehörige bis heute wenig Vertrauen in die Ermittlungen haben. Sieben der neun Getöteten hatten einen Migrationshintergrund.

Um die Ecke gedacht

Der Täter wählte den 22. Juli bewusst: Es ist der Jahrestag des Anschlags von Anders Breivik 2011 in Norwegen, den er nach Erkenntnissen der Ermittler bewunderte. Dass die Tat trotzdem zunächst als unpolitischer Amoklauf galt, gehört zu den Punkten, die Angehörige bis heute kritisieren.