Ebola in DR Kongo: 101 Tote, bewaffnete Gruppen blockieren Hilfe
Die DR Kongo meldet 101 bestätigte Ebola-Tote und 550 Fälle – bewaffnete Gruppen verhindern den Zugang zu den am schwersten betroffenen Gebieten in Ituri.
Die Demokratische Republik Kongo hat am Montag gemeldet, dass der laufende Ebola-Ausbruch bereits 101 Menschen das Leben gekostet hat. Innerhalb eines einzigen Tages kamen 10 neue Todesfälle und 35 Neuinfektionen dazu; die Gesamtzahl der bestätigten Fälle stieg damit auf 550.
Der Ausbruch, der auf den selteneren Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus zurückgeht, wurde am 15. Mai offiziell bekanntgegeben – doch die Behörden räumten ein, dass er Wochen zuvor begann und unentdeckt blieb. Das Geschehen konzentriert sich auf drei Provinzen im Osten des Landes: Ituri, Nordkivu und Südkivu, die seit Jahren von bewaffneten Konflikten erschüttert werden. In der Provinz Ituri allein sind 17 Gesundheitsbezirke betroffen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hatte Ende Mai den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen und auf das hohe Bevölkerungsaufkommen in der Bergbauregion als besonderes Verbreitungsrisiko hingewiesen.
Die Reaktion der Helfer wird durch mehr als 120 bewaffnete Gruppen in der Region behindert. Deren Präsenz in den Distrikten Djugu, Irumu und Mambasa begrenzt den humanitären Zugang in mehrere betroffene Gesundheitszonen. Am Sonntag wurde ein Bestattungsteam auf dem Nyamurongo-Friedhof in Bunia angegriffen; zwei Personen erlitten Verletzungen, zwei Fahrzeuge wurden beschädigt. Misstrauen in der Bevölkerung und Widerstände gegen Hilfsmaßnahmen erschweren die Lage zusätzlich.
Für den Bundibugyo-Stamm, der erst 2007 erstmals in Uganda identifiziert wurde, existiert weder ein zugelassener Impfstoff noch eine anerkannte Therapie – im Unterschied zum Zaire-Stamm, gegen den Impfstoffe vorhanden sind. Zwei Kandidaten für Bundibugyo befinden sich noch in der Entwicklung. Dieser Ausbruch ist Kongos 17. seit der Erstentdeckung des Virus im Jahr 1976, und er findet wenige Tage vor dem Beginn der Fußball-WM statt, für die das Land als eines der Ausrichterländer ebenfalls Präventionspläne erarbeitet hat.
Der Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus hat bis heute keinen zugelassenen Impfstoff – anders als der Zaire-Stamm, gegen den nach der verheerenden westafrikanischen Epidemie von 2014 bis 2016 (über 11.300 Tote) Mittel entwickelt wurden. Die DR Kongo erlebt damit ihren 17. Ausbruch in einem Land, in dem aktive Konfliktzonen und ein geschwächtes Gesundheitssystem jeden Seuchenbekämpfungsversuch von Beginn an unter Druck setzen.
Die DR Kongo ist einer der Ausrichter der Fußball-WM 2026, die wenige Tage nach diesem Ausbruchsbericht beginnt. Die FIFA und die Weltgesundheitsorganisation hatten im Vorfeld gemeinsam Protokolle für den Fall erarbeitet, dass ein aktiver Ebola-Ausbruch mit dem Turnier zeitlich zusammenfällt. Ob diese Protokolle nun aktiv werden, war zum Redaktionsschluss nicht bekannt.