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Welt·22. Juli 2026

Moldau wählt Finanzexperten Tofan zum Regierungschef und forciert EU-Beitritt

Moldaus Parlament wählt den parteilosen Finanzexperten Vasile Tofan zum Ministerpräsidenten und bekräftigt damit den Kurs Richtung EU-Beitritt.

Moldau hat eine dreiwöchige Regierungskrise beendet. Das Parlament in Chișinău wählte den parteilosen Finanzexperten Vasile Tofan mit 53 zu 21 Stimmen zum Ministerpräsidenten und bestätigte sein Kabinett. 21 Abgeordnete enthielten sich.

Tofan übernimmt das Mandat seines Vorgängers Alexandru Munteanu, der nach nur acht Monaten im Amt ohne klare Begründung zurücktrat und damit die gesamte Regierung zum Rücktritt zwang. Moldau, eingeklemmt zwischen der Ukraine und dem EU-Mitglied Rumänien, verfolgt seit Jahren einen Kurs weg von Russland und hin zur Europäischen Union. Präsidentin Maia Sandu hatte Tofan nominiert und betont, das Land brauche eine geschlossene Regierung, um die Mitgliedschaft zu erreichen.

Tofan gehört keiner Partei an, wird aber von Sandus Partei für Aktion und Solidarität getragen. Sein Regierungsprogramm trägt den Titel Europäische Wirtschaft, ein effektiver Staat. Daran wolle man arbeiten und daran solle man gemessen werden, sagte er im Parlament. Er kündigte an, die Wirtschaft zu beleben, Haushaltsdefizite zu senken und Staatsunternehmen zu verkaufen. Mit einem Wachstum von 2,4 Prozent im vergangenen Jahr zählt Moldau zu den ärmsten Ländern des Kontinents.

Tofan will die EU-Beitrittsgespräche noch in diesem Jahr vorantreiben. Ob die neue Regierung stabiler ist als die vorherige, wird sich an den Reformen zeigen, die Brüssel als Bedingung stellt.

Perspektiven

Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.

Moldau balanciert zwischen EU-Anschluss und der Realität eines gespaltenen Landes. Der proeuropäische Kurs ist gewählt, doch Transnistrien und ein russlandnaher Bevölkerungsteil bleiben. Ein zu schneller Westkurs kann innere Gräben vertiefen, ein zu langsamer die Chance auf Beitritt verspielen.

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Redaktionelle Einordnung

Moldau ist seit 2024 offizieller EU-Beitrittskandidat und gilt wegen seiner Grenze zur Ukraine und der abtrünnigen, prorussischen Region Transnistrien als geopolitisch besonders exponiert.

Um die Ecke gedacht

Munteanu warf nach nur acht Monaten hin, ohne öffentliche Begründung. In einem Land, das Brüssel Stabilität beweisen muss, ist der zweite Regierungschef binnen eines Jahres ein Signal, das Beitrittsverhandlungen eher erschwert als beschleunigt.