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Wirtschaft·9. Juni 2026

Deutsche Exporte im April zum dritten Mal in Folge gestiegen

Deutschlands Exporte wuchsen im April um 0,9 Prozent auf 136,6 Milliarden Euro – obwohl Ökonomen einen Rückgang erwartet hatten.

Die deutschen Exporte haben im April zum dritten Mal in Folge zugelegt und Analysten überrascht, die einen Rückgang erwartet hatten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Ausfuhren gegenüber dem Vormonat um 0,9 Prozent auf 136,6 Milliarden Euro. Reuters-Ökonomen hatten im Mittel ein Minus von 0,5 Prozent prognostiziert; im März hatte das Wachstum noch 0,3 Prozent betragen, im Februar 3,6 Prozent.

Die Wachstumsdynamik kam vor allem aus Europa und den USA. Ausfuhren in EU-Länder stiegen um 1,0 Prozent auf 79,1 Milliarden Euro; in die USA gingen Waren im Wert von 11,4 Milliarden Euro, 1,8 Prozent mehr als im März. Gleichzeitig hielt die Schwäche im China-Geschäft an. Bloomberg meldete zudem, dass die deutsche Industrieproduktion im April erstmals seit Ausbruch des Iran-Kriegs wieder zulegte.

Die Importe stiegen ebenfalls und wuchsen um 1,2 Prozent auf 122,1 Milliarden Euro. Der Handelsüberschuss blieb damit positiv auf moderatem Niveau. Hintergrund ist eine deutsche Wirtschaft, die seit zwei Jahren unter strukturellen Belastungen leidet: gestiegene Energiekosten, nachlassende Industrienachfrage und Strukturwandel in der Automobilindustrie.

Wie nachhaltig der Exportaufwuchs ist, bleibt unsicher. Die April-Daten erfassen noch nicht die Auswirkungen jüngster US-Zollankündigungen, die den transatlantischen Handel ab Sommer belasten könnten. Analysten verweisen darauf, dass die Iran-Krise die Energiepreise und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie weiter belastet.

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Redaktionelle Einordnung

Deutschland ist die größte Volkswirtschaft der EU und weltweit einer der wichtigsten Exporteure: In normalen Jahren machen Ausfuhren rund 47 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Drei Monate mit positivem Exportwachstum in Folge sind angesichts der Iran-Krise, hoher Energiepreise und schwacher Binnennachfrage statistisch unerwartet – auch wenn der Ausblick getrübt bleibt.

Um die Ecke gedacht

Die USA sind im April erneut zum wichtigsten deutschen Einzelexportmarkt aufgestiegen – ausgerechnet unter einer Trump-Administration, die mit Strafzöllen auf europäische Waren droht. Unternehmen könnten gezielt Lieferungen vorgezogen haben, bevor Zölle in Kraft treten. Ob das die April-Zahlen aufgebläht hat, wird das Statistische Bundesamt erst mit Verzögerung erkennen können.